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Odroerir - Interviews

Interview Metalmessage


Im Geiste der Götter


Multiinstrumentalist, Altertumsverehrer und Bardenkehle Fix weiß noch immer ganz genau, wie man Leidenschaft schreibt – er gab sein immens naturverbundenes Vollblutherz einmal mehr der altnordischen Edda hin und komponierte mit unermesslich viel Hingabe neues faszinierendes Liedgut. So entstanden erneut hochhymnische Huldigungen an das bis heute so sehr in seinen Bann ziehende lehrreiche Treiben der alten Götter und ihrer nicht selten (arg)listigen mythischen Gefährten. Höchst unterhaltsame Geschichten aus uralten und bewegten Zeiten, belebend kraftvoll und berührend inniglich vertont – sowie anmutig erhaben zelebriert in allerfeinster epischer Pagan Folk Metal-Manier. Eben so, wie es letztlich nur Odroerir selbst in dieser ganz speziellen, ganz edlen Erscheinung zu erbringen vermögen. Mit ihrer neuen Liederkollektion „Götterlieder II“ kredenzen die sechs ostdeutschen Genre-Vorreiter nun also den zweiten Teil ihrer großartigen Eddavertonung – ein famoses Album, erfreulich erfüllt von betont schöngeistigen Kompositionen, welche die Sinne mit Klang und Wort so wirkungsvoll zu berauschen wissen wie allerfeinster Met.


„Von uns beschäftigt sich der eine mehr und der andere weniger mit dieser ganzen Thematik. So muss ich auch gleich vorwegnehmen, dass wir nun mal keine bigotten Asatruer sind, oder uns auch nicht sonstigen fanatisch verschrobenen neuheidnischen Weltanschauungen unterwerfen. Wir sind allesamt ganz „normale“ Menschen mit unterschiedlichsten Interessen, die im Hier und Jetzt leben. Uns beziehungsweise mir geht es primär darum, die mittel- und nordeuropäische Geschichte, Sagen und Mythologien mit ihren wissenschaftlichen und vielleicht auch noch archäologischen Erkenntnissen, objektiv an Wissbegierige rüberzubringen, ohne dabei irgendwelche religiösen Dogmen oder gar einen pangermanischen Synkretismus verbreiten zu wollen. „Heide“ ist nun mal ein christlicher Begriff. Er bezeichnet jene, die noch nicht dem monotheistischen Glauben angehörten. Da in unseren Breitengraden so gut wie fast alles von den indigenen Religionen und Denkweisen zerstört wurde beziehungsweise nur lapidar als Folklore oder in wenigen bruchstückhaften Überlieferungen überlebt hat, kann dir auch keiner genau sagen, wie das ursprüngliche Heidentum, oder besser gesagt die Urreligion in bestimmten Gebieten in der Vergangenheit nun wirklich praktiziert wurde. Auch alle neuheidnischen Organisationen, egal wie gut und authentisch sie es nun meinen oder nicht, können nur ein Konstrukt von Angelesenem (meist auch nur von sporadischem Halbwissen) und vergleichender Mythologie anbieten. Dies muss aber nicht gleich heißen, dass man sich dieser Materie und den anderen Mysterien dieser Welt, die augenscheinlich auch nicht naturwissenschaftlich erklärt werden können, ganz und gar verschließen soll. Auch dürfte man dies nicht, wie es in der allgemein doch so aufgeklärten Öffentlichkeit geschieht, als Nonsens oder primitiven und weltfremden Aberglauben abstempeln. Wie weit sich da nun aber jemand seine Erkenntnisse, Lebensweisheiten, religiösen Erfahrungen usw. herauszieht, sei jedem selber überlassen und unterliegt meiner Ansicht nach keiner Obrigkeit, keinem Dogma und erst recht nicht einer selbsternannten Institution“, konkretisiert Fix detailliert und scharfsinnig den Themenkontext, was für ihn und Odroerir das Heidentum in Vergangenheit und Gegenwart bedeutet.


Nur sehr wenige Künstler aus dieser stilistischen Ecke „leben“ diese Art von Musik auch im realen Dasein bekanntlich so authentisch und so aufrichtig aus wie die beflissenen Thüringer Musikanten um Fix – ich erkundigte mich, wie das bei Odroerir entstanden ist. Fix expliziert hierzu: „Der ausschlaggebende Punkt war, jedenfalls bei mir, das Interesse an Geschichte, Heimat und Natur. Man informierte sich darüber, schmökerte viele Bücher oder sonstige Abhandlungen und besuchte beziehungsweise erforschte gleichzeitig jene Stätten, die in direktem Zusammenhang damit standen. Die Beschäftigung mit der ganzen Thematik intensivierte sich immer mehr und die Kulmination von allem war, Musik darüber zu kreieren, mit den passenden profunden Texten ohne gleich in einem esoterischen, stereotypischen Fantasy-Mischmaschgeschwulst zu enden, wie man es leider heute immer noch bei manchen Bands in diesem Metier vernimmt. Für mich ist die Frage ja aber nun, was ist authentisch-aufrichtig? Sich mit Regenwasser die Haare waschen, mit einer Wurzel die Zähne putzen oder sich gar mit einheimischem Blätterwerk nach der Notdurft den Arsch abwischen? Vielleicht noch den unliebsamen Nachbarn oder sonstige Gegner mit einem handgeschmiedeten Damastschwert zum Holmgang auffordern?! Wir leben nun mal in der heutigen modernen Zeit und können beziehungsweise wollen ja auch gar nicht die Uhr zurück drehen. Jeder nutzt nun mal die Errungenschaften der Zivilisation und will sie gar nicht mehr missen. Ansonsten könnten wir auf diese Art gar nicht musizieren beziehungsweise auf einem Computer oder im Internet agieren. Mein Anliegen ist ja auch, keinen Atavismus zu propagieren, sondern ich möchte andere einfach nur anregen, sich mit ihrer eigenen Vergangenheit und Geschichte zu beschäftigen, egal aus welchem Land oder aus welcher Region sie dabei kommen. Weiterhin ist für mich wichtig, die Natur soweit wie es geht zu schützen und die Hinterlassenschaften der alten Kulturen respektvoll zu ehren, sodass sie am besten noch für die zukünftigen Generationen erhalten bleiben. Wie weit das nun mit fundamentalistischem Heidentum oder einfach nur mit gesundem Menschverstand zu tun hat, sei jedem selbst überlassen. Und glaub’ mir, da draußen gibt es kaum eine Band, die so ist, wie sie sich so gerne authentisch, pathetisch und stereotyp wiedergibt. Denn Dekadenz, Falschheit und der schnöde Mammon beherrschen auch diese Welt.“


Sprichts gelassen und hat sich gleich meiner anschließenden Frage zu stellen, wie es ihm persönlich auf künstlerischer Ebene innerhalb der letzten Jahre in der Gruppe ergangen ist. „Ich denke mal schon. Ich konnte mich halt wieder musikalisch richtig austoben und verwirklichen beziehungsweise meine Ideen mit Odroerir realisieren. Was will man mehr? Außer dass es ruhig ein bissel schneller hätte gehen können, aber dies ist mittlerweile schon fast ein Markenzeichen von uns geworden.“


Die Gruppe spielt aktuell fast noch in der gleichen Besetzung wie dies zuvor beim ersten Teil von „Götterlieder“ der Fall war – ich bat den ostdeutschen Individualisten, kurz über den vollzogenen Besetzungswechsel beim weiblichen Gesang zu berichten. „Ganz einfach, unsere alte Sängerin war raus und ich suchte nach einer Neuen. Bei Natalie wusste ich, dass sie bereits gesanglich in verschiedenen Bands agierte, ergo hatte ich sie irgendwann mal gefragt. Nach ersten Zweifeln ihrerseits bekam ich aber kurze Zeit später ihr Jawort. Seitdem ist sie ein Teil unserer Familie, wie wir es immer so schön euphemistisch ausdrücken. Die erste Zeit wollte zwar ihr eigener Stil nicht so richtig passen, aber mittlerweile und gerade auf der neuen Platte hat sie uns allesamt mit ihrer Leistung in den Schatten gestellt. Besetzungswechsel sind nun mal eine natürliche Selektion bei fast allen Bands und dementsprechend bin auch ich dem nicht gefeit. Mittlerweile sind wir in dieser aktuellen Besetzung seit über fünf Jahren zusammen und zu einer festen sowie freundschaftlichen Konstellation zusammengewachsen – und dies bei sechs krass unterschiedlichen Charakteren und Interessensgebieten. Ich könnte mir zurzeit Odroerir gar nicht mehr anders vorstellen und bin außer mit ein paar musikalischen Defiziten äußerst zufrieden mit dieser in guter Freundschaft verbundenen Rasselbande.“


Wir philosophierten im Anschluss daran über einen idealen Tag – und Fix erläutert ihn mir aus seiner ganz ureigenen Sicht: „Gesund und sorgenfrei in den Armen einer schönen kongenialen Frau ausgeschlafen aufzuwachen, nicht konventionell arbeiten gehen zu müssen, keine Verpflichtungen zu haben, einfach nur frei zu sein, mit Freunden philosophieren und dummes Zeug labern, in schöner Landschaft Fahrrad fahren beziehungsweise wandern gehen und wenn möglich dabei noch was historisch Interessantes zu erkunden, ab und zu musizieren beziehungsweise die Ideen davon umzusetzen. Über den Tag verteilt Sex, Sex und nochmals Sex und abends bei gemütlicher besinnlicher Runde einen deftigen Umtrunk. Außer dem Alkohol könnte das meinetwegen jeden Tag so ablaufen. Ein herrliches Leben halt nach hedonistischer Bohème-Art.“ Der eine oder andere Leser wird bei solcherlei Vorstellungen sicher ins andächtige Schwelgen geraten.


Neben dem neuen Album „Götterlieder II“ gibt es auch sonstiges wichtiges Neues bei den Musikanten von Odroerir, wie mein Gesprächspartner nicht ohne schelmische Selbstironie zu erzählen weiß: „Marley und Veit sind in der Zwischenzeit stolze Väter geworden. Unser Diplom-Geograph Philipp und Frau Dr. Natalie Nebel haben mittlerweile ihr Studium erfolgreich beendet und unsereins geht nun auch endlich einer geregelten Tätigkeit nach. Ein paar Wohnungs- und Ortswechsel wurden auch noch vollzogen, ansonsten hat sich nicht viel geändert, außer dass wir allesamt älter, fetter und hässlicher geworden sind.“


Was genau die Hörer nun auf musikalischer Ebene auf „Götterlieder II“ erwartet, bringt Fix nun gerne für Interessierte auf den Punkt: „Es sind noch mehr Folk- und auch diesmal richtige Perkussionsinstrumente zu hören, im Gegensatz zu den Albumvorgängern. Desweiteren habe ich die Chorpassagen fulminant weiter ausgebaut. Ansonsten ist es der typische Odroerir-Stil wie eh und je, halt ein Potpourri aus klassischen Metal-Anteilen, endlosem Akustikgeklimper, Rock- und Folkelementen in einem episch-rezitatorischen Gewand. Mir ist dabei auch aufgefallen, dass ich überhaupt gar keine kürzeren Songs mehr schreiben kann.“


Musikalische Einflüsse für die neue Veröffentlichung kamen laut folgender Aussage von Fix keine direkten zum Tragen, außer vielleicht ein paar Anleihen und Anreize von Loreena McKennitt, The Voice Squad und Annie Ebrel. Er ergänzt: „Und ganz allgemein von guten Folkloresachen, diverser Filmmusik, sowie eh und je Bathory’s glorreiche Zeit. Ein paar Inspirationen von irgendwelchen Gitarrenhelden für die Soli sind wohl auch mit dabei.“


Wie dann in Erfahrung zu bringen war, hat Gevatter Fix höchstpersönlich sämtliche der neuen Lieder auf „Götterlieder II“ zu 100% erarbeitet – er offenbart dazu: „Und die werden der Gruppe auch Note für Note strikt vorgegeben. Nur die einzelnen Soli von Stickel und auch diesmal von Veit sind deren Eigenkreationen, hier fungiere ich nur als Berater. Die Schlagzeugparts arrangiere ich mit Philipp zusammen, wobei meine Vorstellungen hier schon sehr konkret sind. Somit bekommen die einzelnen Lieder insgesamt dann doch noch mehr Abwechslung beziehungsweise fließen auch mal andere Elemente mit ein.“


Ich hakte dazu gleich auch noch nach, wie ihm der dazugehörige Kompositionsprozess von der Hand ging. Und das lief, so Fix, wie eh und je: „Ich kasper’ mir halt daheim, wenn ich Lust, Zeit, Inspiration und Laune habe, die einzelnen Riffs und Songideen aus, nehme die dementsprechenden Rhythmen, Melodien und Instrumente dazu auf und irgendwann ist dann mal ein Song fertig – oder die Idee wird ganz und gar verworfen beziehungsweise erstmal brach gelegt. Der Text ist eigentlich immer das Letzte, was dazu beigesteuert wird, obwohl der Inhalt mir meistens beim Komponieren schon latent vorschwebt und die Gesangslinien zum größten Teil auch schon fertig sind. Wenn der Song auch live umsetzbar ist, studieren wir ihn dann gemeinsam im Proberaum ein. Die restlichen Lieder werden für jeden einzeln, beziehungsweise wie und was er wo zu spielen hat, dann während der Aufnahmen eingearbeitet.“


Wie hoch insgesamt hatte der passionierte Liedschreiber seine künstlerischen Ziele für das aktuelle Werk eigentlich angesiedelt? „Eigentlich zu hoch, da das meiste mit der aktuellen Besetzung (zu wenig Leute) einfach nicht mehr live umsetzbar ist. Schade eigentlich, außer wir arbeiten, wie so viele Bands, mit digitaler Technik und lassen die einzelnen Spuren (der Song „Allvater“ hatte alleine schon über 80 Spuren) vom Band ablaufen. Probleme gab’s halt auch wie immer im Studio selber, da wir nun mal keine Profimusiker sind, ich aber so gut wie möglich Perfektionismus anstrebe. So wurde solange immer wieder neu aufgenommen, bis ich beziehungsweise unser Produzent mit dem Ergebnis leben konnten. Im Endeffekt sind nun alle Beteiligten mit dem Resultat zufrieden und der Aufwand, die Mühen und die ganzen Strapazen haben sich mehr als gelohnt. Meine persönlichen Ziele hinsichtlich des neuen Werkes sehe ich auf der Platte selbst also auf jeden Fall erfüllt. Da sind nur noch Kleinigkeiten, die mir nicht so richtig behagen, die aber nicht weiter ins Gewicht fallen – jetzt müssen wir es nur noch genauso live rüberbringen!? [lacht spitzbübisch] Es hatte ja auch wieder mal endlos gedauert, bis wir zu einem Ergebnis gekommen sind. So wurden beispielsweise Chorpassagen, welche in einem Zeitraum von über einem Monat aufgenommen wurden und irgendwie noch nicht so richtig die Krönung waren, einfach mal komplett gelöscht, beziehungsweise wurden die Rhythmusgitarren während des Mixens der gesamten Platte noch mal neu eingespielt, da sie nicht mehr zum Rest der Aufnahmen passten.“


Und was sagen seine sonstigen Bekannten, außerhalb der Musikszene, zu seinem Mitwirken beziehungsweise zur Musik von Odroerir? Fix gibt sich lapidar: „Keine Ahnung – ein paar wissen zwar, dass ich Musik mache, aber was da nun genau abgeht oder um was es sich da primär handelt, interessiert die meisten erst gar nicht und ist eigentlich auch nie ein größeres Thema.“


Wie sehr beziehungsweise ob Odroerir eigentlich auch weltweit erfolgreich sind, entzieht sich der Kenntnis des Thüringer Individualisten. „Das weiß ich ehrlich gesagt auch nicht so richtig – zwar bekommen wir einige Statements und Anfragen aus dem Ausland, aber wie weit wir dort erfolgreich sind oder uns überhaupt jemand kennt, wissen wahrscheinlich nur die einheimischen Götter selber.“ Fix fährt fort: „Wir sind ohnehin eine der wenigen unangepassten Bands, die nicht den momentanen Trends hinterherhinken beziehungsweise sich in die Reihen der vielen Raubkopisten eingliedern, die zum Leidwesen der Szene da draußen ihr Unwesen treiben. Dadurch, dass die Texte in unserer Muttersprache verfasst sind, wir mehr in den ruhigeren Gefilden zuhause sind und der Markt im Allgemeinen mehr als nur überschwemmt ist, werden wir wahrscheinlich auch nie eine so übermäßige Resonanz erwarten können.“


Wir gingen über zu Einflüssen und Inspirationen, welche für die Lyriken der neuen Kompositionen neben der Edda von Relevanz gewesen sein könnten – Fix berichtet mir diesbezüglich mit ernsthafter Stimme: „Eigentlich nur die Edda selbst mit ihren mir vorliegenden verschiedenen Übersetzungen und anderweitigen Abhandlungen über jene Materie. Ein paar bestimmte Reimformen habe ich mir über die Zeit auch angeeignet, aber woher die nun genau stammen, kann ich dir nicht wirklich sagen.“


Auf „Götterlieder II“ geht es somit weiterhin um das Pantheon und die Sagas aus der den beteiligten Musikern bekannten nordischen Mythologie und Überlieferungen, ohne sie dabei zu entfremden, so Meister Fix: „Es sind darauf insgesamt sieben Lieder zu vernehmen. Das erste Stück ist dem Asen Heimdall gewidmet, welcher aber auf der nächsten Platte in seiner Beziehung als Riger, wo er die Stände der Menschen inszeniert, nochmals ein separates Lied bekommt. „Bifröst“ spricht für sich selber und gehört eigentlich noch thematisch zum ersten Song dazu. Im darauf folgenden Lied geht es um die Geschichte, in der Thor seinen vermissten Hammer versucht mit aller Macht und List wieder zu erlangen. Lied Nr. vier „Idunas Äpfel“ sowie das folgende „Skadis Rache“ behandeln das Thema über den Verlust der Äpfel, welche den Asen die ewige Jugend bescheren, wie sie sie wieder ergattern und die Konsequenzen davon. Beim „Riesenbaumeister“ (welcher chronologisch gesehen eigentlich auf Teil I von „Götterlieder“ gehört hätte) wird erzählt, wie die Götter ihr Bollwerk für Asgard bekommen und wie das achtbeinige Pferd Sleipnir daraus entsteht. Das letzte Stück ist mein bis dato längstes Lied, welches ich je geschrieben habe. Es ist keinem anderen gewidmet als Allvater persönlich – quasi eine Ode an Odin selbst und stellt den krönenden Abschluss des fast einstündigen Albums dar. Da somit immer noch nicht alle Geschichten aus der Edda abgehandelt wurden und ich auch nicht glaube, es beim nächsten Teil zu schaffen, schätze ich mal ganz grob, dass sich „Götterlieder“ über vier Alben hinziehen wird.“


Odroerir musizieren deutlich hörbar noch immer mit grenzenlos viel Herzblut und inszenieren ihre Stücke voll von bebender Seele, wie man aktuell sehr deutlich aus den neuen Kompositionen heraushören kann – und wie von Überzeugungstäter Fix zu erfahren ist, spielt er sich damit auch so manches Mal inneres Leid und so manche Wut von der Seele: „Musizieren ist nun mal für mich und allgemein für fast jeden Künstler zum großen Teil eine Art Katharsis. Dies vollzieht sich bei mir zumindest eigentlich nur beim Kompositionsprozess. Hier fließen alle meine Gedanken, Gefühle und jeweilige Stimmungen mit hinein und das Ganze ist ergo eine Sublimierung meiner selbst. Dieses subtil auch noch aufs Band zu bekommen und jemandem begreiflich zu machen, ist dann auch immer das Schwierigste, da dabei viel Spirit zerstört werden kann oder wir es nicht schaffen, diesen Spirit auf einer Aufnahme zu transportieren. Deswegen hört man dies meiner Meinung nach auch bei vielen Bands, die unter Druck arbeiten oder durch irgendwelche Vertragsklauseln rigoros gebunden sind, einfach nur heraus, also, dass nicht mehr mit viel Herzblut gearbeitet wird. Auch bei Musikern, die aus rein kommerziellen Absichten heraus operieren und sich irgendwelchen Trends konform anbiedern, finde ich ist nichts Ursprüngliches, Wahres und Glaubhaftes zu vernehmen – und dies berührt beileibe nicht nur die Metal- beziehungsweise Pagan-Szene.“


Dennoch ist auch Fix vor Frust nicht gefeit, wie er vor mir in aller Offenheit bekennt. „Aber sicherlich, leider auch mehr als genug und er wird mich (wie eigentlich jeden Erdenbürger) definitiv das ganze Leben zu allem Trotz begleiten. Jener entsteht fast immer nur aus rein menschlicher Natur heraus und verärgert einen stetig wieder aufs Neue. Gemeint ist, in was für einer schäbigen, falschen und krankhaften Welt man sich tagtäglich behaupten muss und mit was für schrecklichen, illoyalen, verlogenen und kleingeistigen Menschen man des Öfteren konfrontiert wird. Das ist nun mal so und damit muss man sich auch einigermaßen arrangieren beziehungsweise umgehen können, ohne aber dabei gleich jedem und allen gegenüber konform zu sein. Unsereins versucht daraus die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen und demzufolge sein eigenes Ding zu leben, auch wenn einem das etwaige Nachteile und Anfeindungen einbringt.“


Auftritte auf Bühnen vor Publikum empfand der löblich vielseitige Multiinstrumentalist und Vokalist laut persönlichem Bekunden bislang überwiegend positiv, jedoch:


„Wenn’s mal nicht so richtig klappt beziehungsweise der Auftritt durch irgendwelche Parameter versaut wird, ist es schon frustrierend. Das kann soweit gehen, dass ich sogar nach einem Gig immer mal wieder die Band auflösen wollte. Aber im Endeffekt macht es meistens sehr viel Spaß auf den Brettern, die die Welt bedeuten zu agieren. Live-Auftritte sind eigentlich allgemein immer eine sehr schöne Sache und gehören meines Erachtens zu einem Höhepunkt eines Musikerdaseins dazu. Sie sollten daher so oft angestrebt werden wie möglich. Gerade unsere Touren sind immer wieder ein Highlight des entsprechenden Jahres, in dem sie stattfinden. Wir möchten sie einfach nicht missen, auch wenn ich mit meiner introvertierten Art danach doch froh bin, endlich wieder nach Hause zu kommen.“


Im September sind Odroerir laut Fix gemeinsam mit den ebenso spielfreudigen Konsorten von Skyforger, XIV Dark Centuries, Gernotshagen und Tarabas bei der „Light A Pagan Fire II“ Europa-Tour unterwegs. „Die genauen Daten und Austragungsorte sind dann auf den jeweiligen Internetseiten zu erkunden. Zwischendurch sind noch ein paar Einzel-Gigs in Planung und eine Release-Party zum neuen Album ist auch schon sehr bald beabsichtigt.“


Wie dem vollauf lebensbewussten Recken im Weiteren noch zu entlocken war, ruhen die Mitglieder von Odroerir auf kreativer Ebene mit großer Selbstsicherheit in sich selbst: „Auf jeden Fall denke ich das, da die meisten von uns ja eh noch in anderen Bands aktiv sind, wo sie sich auch kreativ und anderweitig austoben können. Bei Odroerir müssen sie quasi nur noch ihr musikalisches Feedback beisteuern beziehungsweise können auch mal etwas anderes spielen und sind so mit Sicherheit in allen Belangen genug ausgewogen.“


Unser angenehmer Dialog neigte sich dem Ende – ich fragte Fix, was genau er sich für Odroerir vom aktuellen Jahr 2010 erhofft. Er feixt: „Einen Nr. 1 Hit in den deutschen…, ach was, in den weltweiten Charts, reichlich Reibach einheimsen, Eklats in der Öffentlichkeit inszenieren, um auch ja nicht aus den Köpfen des Mobs raus zu kommen, verbunden natürlich mit den dementsprechenden Drogenexzessen“, und wird dann ernst: „Insgesamt mache ich da sowieso nicht allzu viel Gedanken darüber, außer darum, was sich vielleicht jeder eigenständige Musiker wünscht, wie positive Resonanz, objektive Kritik, eine erfolgreiche Tour, viel Spaß, allgemein gute Konzerte, reichlich Alkohol und dass die Musik infolgedessen bei einem bestimmten Auditorium gewürdigt ankommt.“


© Markus Eck

(13.05.2010)





ODROERIR Interview „Pagan Fire“/Legacy Special - Vollversion


LEGACY: Ihr seid eine, wenn nicht sogar die authentischste Pagan-Band Deutschlands. Kaum eine andere Band legt so viel Wert auf Kleidung und Musik wie ihr. Wie kam es dazu, dass ihr diesen Weg gegangen seid, und woher bezieht ihr eure Ideen, sei es nun die für Lieder oder die für Kleidung. Schneidert ihr sie selbst oder habt ihr eine/n Schneider/in in eurem Freundeskreis, denn altertümliche Kleidung kann ganz schön teuer sein, wenn man sich auf Mittelalter-Märkten umschaut.


ODROERIR: Danke erstmal für die lobenden Worte! Den Pfad der alten Tugenden haben wir ja schon vorher mit Menhir bestritten (bzw. immer noch) und mit der „Buchonia“-Mini-CD kamen dann auch schon die ersten folkloristischeren, etwas ruhigeren Ideen von mir aufs Band, welche ich schlussendlich mit der Gründung von ODROERIR im Jahr 1998 weiter verfolgte, um explizit nun meine konkreten Vorstellungen über jene Materie zu verwirklichen.Die lyrischen Ideen kommen unweigerlich aus dem unerschöpflichen Konglomerat der keltisch/germanischen Mythologie und Sagenwelt bzw. aus der europäischen Geschichtsschreibung über unsere Urahnen und stellen diesbezüglich kein ´Möchtegern-Fantasy-Konstrukt´ der alten Zeiten dar, sondern beinhalten ausschließlich relevante Fakten und Interpretationen. Auf der musikalischen Seite ODROERIRs wird ein Potpourri diverser Stilrichtungen, beispielsweise von klassischem Metal, Rock-Einflüssen über Folklore, immer wiederkehrendem Akustikgitarren-Geklimper und einem weit gefächerten Gesangs-Sammelsurium verschmolzen. Da wir eh schon öfter unser Unwesen auf dem ein oder anderen Spektakulum trieben und um die Thematik auch einigermaßen glaubhaft rüberzubringen, haben wir uns die entsprechenden Accessoires nach und nach zugelegt. Am Anfang war das alles eher bescheiden und zum Teil auch dilettantisch, da das Wissen hierüber sich autodidaktisch über einen längeren Zeitraum erst vervollständigte, bzw. noch keine Internet-Angebote und Foren über jene Thematik so richtig existierten, was einem die Vorgehensweise hätte ziemlich erleichtern können. Hier haben wir auch dementsprechend viel Lehrgeld gezahlt. Seit einigen Jahren sind aber Mitglieder von Menhir, ODROERIR und Gernotshagen bei der Re-Enactment-Gruppe Ulfhednar involviert und betreiben dort professionelle Geschichtsdarstellung mit dem Hauptaugenmerk auf die Merowingerzeit, aber auch anderen Epochen. Ulfhednar wirkten auch schon bei diversen Fernsehsendungen/Reportagen mit, wie z.B. „Bonifatius“ – eine im Bonifatiusjahr entstandene Biographie über den Apostel der Deutschen, „Der Chiemgau Komet“ – eine „Terra X“-Reportage über einen Meteoriteneinschlag in der Frühla-tènezeit und dessen Folgen usw. usf.! (Phoenix wiederholt des Öfteren diese sehr interessanten und gut aufgemachten Sendungen – Anm.d.Verf.) Im letzten Dezember haben auch wieder einzelne von uns bei der ZDF-Produktion „Die ersten Europäer“ teilgenommen, eine Retrospektive in die Bronzezeit, welche zu Pfingsten ausgestrahlt werden soll. Dabei handelt es sich um den archäologischen Sensationsfund der Himmelsscheibe von Nebra, auf welcher wahrscheinlich die Plejaden abgebildet sind, bzw. welche die älteste Sternenabbildung zeigt, die bisher auf europäischem Boden entdeckt wurde. Ein gewaltiges Mammutwerk zu jener Berufung hat auch Heiko (Sänger von Menhir) im letzten Jahr aus der Taufe gehoben, bzw. mit seinem Engagement und einigen Gleichgesinnten erst das Riesenprojekt initiiert. Wir wollen nämlich hier in Südthüringen bei Breitungen einen merowingerzeitlichen Fürstensitz über die Jahre entstehen lassen, quasi ein Museumsdorf mit experimenteller Archäologie und diversen Rekonstruktionen der frühmittelalterlichen Bauweise etc.!
Mehr Infos dazu gibt’s demnächst auf www.gervina.com! Ach ja, zurück zur Frage! Die meisten Gewandungen nähe ich mir zumindest selber, aber für den Großteil unserer Anschaffungen haben wir unsere spezialisierten Handwerker bzw. wird auch mal was über diverse Warenhäuser bestellt. Und glaub mir, die Klamotten sind da noch das billigste von allem. Erst richtig teuer wird es bei unseren original Repliken von vergoldeten Spangenhelmen, Damastschwertern und den ganzen silbertauschierten Ausrüstungsgegenständen, da kann man wirklich ein Vermögen lassen. Einen Teil unseres angesammelten Equipments staffieren wir auch jeweils bei allen beteiligten Bands als Bühnendekoration.


L: Mit „Götterlieder“ habt ihr ein Album erschaffen, das zwar vom musikalischen wie auch lyrischen Aspekt nichts Neues darstellt, dennoch ist es durch seinen Bezug und Hintergrund einzigartig. Bestand die Idee dazu schon länger, und wie lange hat der Entstehungsprozess gedauert? Ein gründliches Studieren der Edda ist sicher vonnöten gewesen.


O: Mir war von Anfang an schon klar gewesen, dass ich mit der Gründung von ODROERIR, mit den musikalischen Stilmitteln und dem lyrischen Konzept, welches allgemein dahinter steckt, nicht gerade etwas Neues erfunden hatte, oder wir auch nicht unbedingt die Avantgardisten sind, welche jene Thematiken als erstes in Angriff nahmen. Aber wie schon mal erwähnt, wollte ich hiermit meine eigene Vorstellung einer musikalischen/kontemplativen Umsetzung leisten und verwirklichen, was natürlich auch anders klingen sollte als die meisten aus jener Sparte. Die Idee, die Edda zu vertonen, schwebte mir eigentlich schon ziemlich lange vor. Mit ´Baldurs Träume´ war ja auch bereits bei unserem Demo „Iring“ ein Stück aus diesem Kontext vertreten, weswegen jenes Lied es auch nicht mit aufs Debüt schaffte, da dieses ja nur die Geschichte und Sagen meiner/unserer Heimat Thüringen beinhalteten sollte und quasi für den letzten Teil der „Götterlieder“ aufgehoben wird. Da für mich die EDDA schlichtweg ein wissenswertes Kompendium über die nordische Mythologie und die Glaubensvorstellungen der Altvorderen darstellt und so eine Art germanischen Katechismus beinhaltet und mir auch noch keine adäquate Vertonung von ihr vorliegt, dachte ich mir damals, es selber mal zu versuchen. Sie ist ja auch für uns Mittel- und Nordeuropäer eines der wichtigsten mythologischen Dokumente und besitzt meines Erachtens einen immens hohen kulturhistorischen Wert. Auch wenn man sie erst ziemlich spät niederschrieb und aus ihr viel christlicher Einfluss interpretiert wird, bleibt doch noch genügend heidnische Essenz zurück!
Wo sonst noch werden so ausführlich die Genesis, die Eschatologie und anderweitige theologische Zusammenhänge über die Mythologie der nordgermanischen Stämme erläutert bzw. auf die Skaldenkunst so eingegangen wie wie in diesem Traktat!


L: Olaf (Einheit-Cheffe) verriet mir, dass du dich recht gut mit Runen auskennst. Nun ist mir speziell aufgefallen, dass manche Bands Runen verwenden, ohne den eigentlichen Sinn zu verstehen. Im Netz findet man auch immer wieder andere Deutungen. Hast du dafür eine Erklärung und welche Deutung ist deiner Meinung nach die authentischste?


O: Also, als Koryphäe in Beziehung Runen kann ich mich nun wahrlich nicht bezeichnen. Ich beschäftige mich vielleicht ein wenig mehr mit dieser Sache, aber das war’s auch schon. Immerhin kann man gerade bei diesem Thema sehr viel hinein interpretieren und fingieren, aber natürlich auch sein lassen und ganz nüchtern und objektiv/wissenschaftlich heran gehen. Für mich stellt sich die Theorie über den Ursprung der Runen, nämlich die Adaption des etruskischen, mit Vermischung des römischen und griechischen Alphabets, bei der Völkerwanderung der Kimbern und Teutonen als gängigste dar. Jenes Wissen über die Schrift kam durch Heimkehrer in den Norden und entwickelte sich so über die Jahrhunderte zu einer eigenständigen und hauptsächlich sakralen Schrift und im weiteren Verlauf der Zeit und durch die geographische Verbreitung, bzw. durch bewusste Veränderungen entstanden dann die verschiedenen Runenalphabete und solche Hieroglyphen wie die Binderrunen. Jene Sinnzeichen mit unweigerlich schon metaphysischen/magischen Inhalt, dessen Bedeutung aber über die Zeit uns leider zum größten Teil verloren ging, ist ja auch ein erklärtes Lieblingskind der Esoterik. Da gibt’s extra ein Frauen-Runen-Tarot, etliche einfach nur zum Lachen animierende Abhandlungen und sonstigen Schnickschnack und Firlefanz in diesem Bereich zu erwerben. Sogar bei Ebay gab’s schon Runenkurse zu ersteigern, was mal wieder so gar nicht in die so angeblich immateriale und naturverbundene Lebenseinstellung der selbst ernannten Hexen und Goden passt! Zum größten Teil wird ja auch heute noch von Guido von Lists selbst erfundenen Armanen-Runen-Reihe munter abgepinselt. Wer sich ernsthaft damit auseinander setzen will, muss erstmal viel Schund beiseite schieben, aber das liegt bei jedem selbst, welchem Deutungsversuch und welcher Auslegung er Glauben schenkt oder nicht und unterliegt natürlich auch keinem persönlichen, von mir erhobenen ´Dogma´.


L: In den letzten Jahren wurde heidnische Musik immer populärer. In Extremo haben sicher dazu beigetragen, aber auch härtere Bands und ihre Labels haben ihre Arbeit dazu geleistet. Kannst du dir den Boom erklären?


O: Der Fokus von In Extremo lag meines Erachtens nie im heidnischen Sinne, denn sie hatten lediglich zu ihren Anfangstagen überlieferte alte Weisen bzw. hauptsächlich mittelalterliche Coverversionen zum Besten gegeben. Als sie später eigene Texte und Musik verarbeiteten, konnte man es sich meiner Ansicht nach nun wahrlich nicht mehr anhören.
Und dieses unauthentische Mittelaltermarkt-Flair mit seinem Hokuspokus, Hexen, Minnesang, Ritter- und Burgfräulein-Gehabe usw. hat nicht wirklich viel mit den alten Germanen und Kelten zu tun, sondern reflektiert ja mehr eine christlich geprägte, viel jüngere und schon der klassischen Feudalherrschaft zugehörige Ära. Ich empfinde es eigentlich als positive Entwicklung, dass wieder viele Menschen an ihrer eigenen Provenienz und den vorchristlichen indigenen Religionen Interesse zeigen bzw. sich davon inspirieren lassen. Aber auch nur, solange sie nicht im nebulösen Sumpf der Esoterik versinken, völkisch fingierten Metaphern ihren Glauben schenken, oder einem modernen Synkretismus von angeblich neuheidnischen Religionsgemeinschaften absorbieren, weswegen sie auch immer wieder gefundenes Fressen für Außenstehende sind bzw. durch den ganzen Kladderadatsch, der hier unerfreulicherweise involviert ist, in öffentlichen Diskredit geraten. Da die Industrie und findige Warenhändler diesen Trend auch nicht verschlafen haben, wird diese Szene natürlich einfach überdimensional mit quantitativen Angeboten zugemüllt: vom kitschigen Fantasy-Thorshammer über massengefertigte Ebay-Tuniken bis hin zur unglaubwürdigsten Pagan Metal-Kapelle. Allerdings wird sich dieser Boom auch irgendwann wieder auf ein gesundes Maß zurückschrumpfen und die Spreu vom Weizen trennen.


L: Manche Bands nennen ihre Musik Pagan Metal, allerdings vermisst man die für diese Musik zwingenden Chorgesänge. Oder man bekommt Songs im Humppa-Takt vorgesetzt, die eher an Zirkusmusik erinnern als an von keltisch/altgermanisch geprägten Melodien dominiertes Liedgut. Dir stößt das sicher auch manchmal auf, oder?


O: Schlimmer noch als die Musik finde ich, explizit bei vielen deutschsprachigen Bands, deren infantil plakative Textergüsse, bei denen scheinbar oft die Grundschulfibel Pate stand oder Essenzen aus dem „Was ist was Germanen Büchern“ vorbehaltlos mit integriert werden, bzw. wo ein romantisch verklärtes Krieger-Macho-Gehabe im Vordergrund steht. Peinlich wird’s erst richtig, wenn sie einen Pathos von jetzigen pseudoelitären Lebensweisheiten und Einstellungen auf die damalige Zeit einfach mal so projizieren und verbal wiedergeben. Da Pagan Metal ziemlich populär geworden ist, sind halt auch viele Trittbrettfahrer auf den Zug mit aufgesprungen, wobei gerade in den letzten Jahren fast nur noch Plagiate und wirklich schlechte eklektische Bands ihr Unwesen treiben. Aber auch hier finden sich ab und zu richtig gute Perlen, wie z.B. Eluveitie, wo die Musik einfach nur genial ist und mal was Neues geboten wird. Ein Oeuvre, bei dem alte, selbst gespielte Instrumente den Ton mit angeben und sich perfekt in die Metal-Riffs einfügen. Hier ersetzt mal kein Neckermann-Keyboard die ´Atmosphäre´, und letztendlich ist das lyrische Konzept auch nicht zu verachten.


L: Dass die Szene mit einigen rechten Ärgernissen angereichert wurde, ist dir bereits zum Verhängnis geworden. Die dilettantische Recherche des „Polylux“-Teams beim Ragnarök-Festival hat euch ziemlich dumm dastehen lassen. Erzähl uns doch noch einmal mit deinen eigenen Worten, wie alles stattfand und was für Konsequenzen ihr daraus gezogen habt. Dass ihr nicht der rechten Ecke angehört, dürfte jedem halbwegs gebildeten und eigenständig denkenden Menschen bekannt sein.


O: Ein ausführliches Interview bzw. eine Gegendarstellung zu dem leidigen Thema habe ich schon mit dem Online-Magazin Bloodchamber geführt, welches auf unserer Internetpräsenz oder direkt auf deren Seite zu ersehen ist. Die Recherche des „Polylux“-Teams war gar nicht so schlecht, sie wussten ganz genau, was sie und wir da fabrizieren. Aber wie schon gesagt, der Inhalt der Reportage, oder besser ausgedrückt der Kolportage, war von vornherein eindeutig determiniert und sollte die ominösen Theorien und pauschalen Anschuldigungen einer ganzen Szene von einem gewissen Sozialwissenschaftler verifizieren, bzw. den Verkauf seines Trivialliteraturwerkes ankurbeln. Nichtsdestotrotz hat er sich auch noch direkt an seine Kontrahenten gewagt und bekam in einschlägigen Metal-Magazinen (inklusive eurem) ein Podium feilgeboten, um im Endeffekt noch mehr Reibach und Aufsehen mit seinem Schund zu machen, da unter normalen Umständen sein Buch in der Masse untergegangen wäre. Das nennt man doch mal professionelle Werbung und Publicity, oder man kann das ganze Szenario und das allgemeine Heckmeck drum herum als moderne Inquisition bezeichnen. Dass der Großteil der Medien instrumentalisierend agiert bzw. politisch-gesellschaftliche Suggestion des Mobs betreibt, ist ja allgemein bekannt und war mir (uns) schon im Vornherein klar, aber man hofft doch immer auf das ´Gute´ im Menschen, oder dass mal etwas Objektives und der Wahrheit Entsprechendes gesendet wird. Immerhin haben wir ja auch schon sehr positive Resonanzen und Kooperationen (siehe oben) mit verschiedenen Filmteams und Fernsehsendern erlebt. Da ich die „Polylux“-Sendung nicht kannte, schaute ich sie mir erstmal an, um abzuwägen, ob ich dort überhaupt ein Statement abgebe. Die skurrile Vorführung sagte mir so gar nicht zu, und für mich stand fest, dass ich mich nicht von einem angeblichen Satiremagazin verballhornen lasse. Ich habe es aber meinen Mitstreitern freigestellt, dies zu tun, da sie den Ausgang anders glaubten oder zumindest erhofften. Um einem Eklat auszuweichen, haben sich ja Stickel und Philipp im Vorfeld schon mit dem Produktionsteam in Verbindung gesetzt, zunächst per E-Mail und telefonisch, später dann direkt vor dem Interview in Form eines ausführlichen Gespräches. Als wichtigster Standpunkt wurde geklärt, dass das Interview und der Bericht nicht in einen rechten oder politischen Kontext gestellt wird bzw. auch das von uns Gesagte so nicht verwendet werden darf. Trotz mündlicher Zusage und gespielter Heuchelei sah das Endresultat, wie ja viele mitbekommen haben, ganz anders aus. So wurde z.B. von dem ungefähr 20-minütigen Interview nur ein Satz herausgeschnitten, der für ihre Denunziation gerade noch so einigermaßen praktikabel war. Und das bei einem öffentlich-rechtlichen Sender, bei dem man sich zumindest erhofft, nicht so wie andere Sensations- und Einschaltquotenjäger à la „Spiegel TV“ und Konsorten zu fungieren.


L: Viele Krüge Met mögen seitdem die Kehlen herab geflossen sein. Was steht als nächstes auf eurem Plan?


O: Natürlich weiter zechen!? Nein, nur sporadisch! Momentan arbeite ich fleißig die neuen Songs aus, welche demnächst für eine Vorproduktion aufgenommen werden, um irgendwann für „Götterlieder II“ ein richtiges Studio zu entern. Aber als nächstes kommt erstmal die neue Menhir-Scheibe hoffentlich bald heraus, welche derzeitig abgemischt wird. Im Herbst steht für ODROERIR auch schon die nächste Europa-Tour, voraussichtlich mit Tyr und Black Messiah, auf der Zu-erledigen-Liste, und für zwischendurch sind schon ein paar einzelne Konzerte bestätigt, wie z.B. am 22. Juno das Hörnerfest Open Air Nähe Hamburg, das Pagan Nights Festival in Bayern und diverse andere. Und das primäre Lebensziel, oder besser gesagt mein größter Traum, der noch ansteht und hoffentlich bald erfüllt wird, ist die Stickel und mir schon lang vorschwebende Trekking-Weltreise. Quasi eine Wallfahrt zu den schönsten Naturwundern der Erde, zu den Relikten und Monumenten der Weltgeschichte, und natürlich wollen wir auch die Menschen und verschiedensten Kulturen leibhaftig erleben und kennen lernen.


L: Habt Dank, Gelehrter Fix! Möge die Butte den Tee zu Met verwandeln und euch die Götter immer wohl gestimmt sein!


O: Ja, auch dir hab Dank und zum Abschluss mal wieder ein Aphorismus aus dem so oft von mir rezitierten „Havamal“:


„ Der Mann muss mäßig weise sein,
Doch nicht allzu weise.
Das schönste Leben ist dem beschieden,
Der recht weiß, was er weiß.


Der Mann muss mäßig weise sein,
Doch nicht allzu weise.
Des Weisen Herz erheitert sich selten
Wenn er zu weise wird.


Der Mann muss mäßig weise sein,
Doch nicht allzu weise.
Sein Schicksal kenne keiner voraus,
So bleibt der Sinn ihm sorgenfrei.“


Danny Jakesch


www.odroerir.com

 


 

ODROERIR mit Ancient Spirit im Interview


„Götterlieder“ CD
(Einheit/Soulfood)


Mit ihrem zweiten Album "Götterlieder" hat die Thüringer Formation ODROERIR ein mehr als interessantes Werk veröffentlicht. Musikalisch sehr vielschichtig und komplex angelegt, hat man sich textlich den Dichtungen der "Edda" angenommen und daraus einige Texte vertont. Ein Unterfangen, das ohne entsprechenden Background schnell ins Lächerliche hätte abdriften können, von ODROERIR aber mit Bravour gemeistert wurde. Eine ausgewogene Mischung aus Metal und akustischer Musik stellt die Basis dar für die stimmungsvollen Gedichte der Edda, so dass unterm Strich ein abwechslungsreiches und sehr ursprüngliches Album herausgekommen ist, das in der Szene größtenteils wohlwollend aufgenommen wurde. Grund genug für mich, bei Mastermind Fix - dessen Feder dieses Album entsprungen ist - mit einigen Fragen anzuklopfen.


Hallo Fix. ODROERIR dürfte noch nicht allzu vielen bekannt sein, gib doch bitte deshalb kurz die Biographie der Band wieder und stelle bitte auch kurz die einzelnen Bandmitglieder vor bzw. in welchen Bands ihr sonst noch spielt. Was gab es veröffentlichungstechnisch von Euch bisher zu vermelden?


"Eine ausführliche Bandbiographie kann man bei uns auf der Internetseite nachlesen (wen’s interessiert)! Und die Bands, in denen die meisten von uns noch agieren, haben eigentlich auch nichts mit ODROERIR zu tun und sind somit auch nicht relevant für ein Frage- und Antwortspiel. Veröffentlicht haben wir bis jetzt zwei vollständige Alben, die da wären: „Laßt euch sagen aus alten Tagen…“ - damals noch unter dem Banner von ARS METALLI und seit Ewigkeiten ausverkauft und „Götterlieder“ - unser neuestes Werk, welches über EINHEIT PRODUKTIONEN veröffentlicht wurde! Des weiteren brachten wir eine limitierte (?) 7“ Platte über DET GERMANSKE FOLKET heraus und natürlich gab es da auch noch unsere erste musikalische Sünde, eine klassische Demokassette Namens „Iring“, welche eine Eigenproduktion war (auch ausverkauft)! Was vielleicht noch zu erwähnen wäre ist, dass wir ab sofort eine neue Sängerin haben, welche uns erstmal tatkräftig bei den anstehenden Konzerten unterstützen wird! Ansonsten ist alles beim Alten geblieben!"


Kommen wir zu Eurem neuen Album: „Götterlieder“ ist ein sehr interessantes Album, auf dem Ihr einige Gedichte der Edda vertont habt. Wie kamt Ihr auf diese Idee?


"Die Idee zu diesem Konzept spukte schon seit etlichen Jahren in meinem Kopf herum und das erste fertige Stück dazu ("Baldurs Träume") war ja auch schon auf unserem Demo zu hören. Aber erst mal mussten wir auf unserem Debütalbum die Geschichten von unserer Heimat Thüringen vertonen, bevor ich mich an jenes Mammutwerk weiter heran wagte!"


Musikalisch habt ihr ein sehr vielschichtiges und abwechslungsreiches Werk erschaffen, erzähle doch mal etwas zum Entstehungsprozess der Songs. Arbeitet Ihr die Songs gemeinsam aus?


"Die Lieder entstehen alle bei mir daheim und in Ruhe. Jene brauchen auch manchmal ziemlich lange, bevor sie endgültig fertig sind. Dann nehme ich sie auf meinem kleinen 8-Spur „Homerecording-Studio“ auf und im nachhinein schreib ich bei Gelegenheit die Texte dazu. Irgendwann bekommen es die anderen Bandmitglieder auch zu hören (manchmal aber auch erst komplett im Studio!?) und dann zeige ich jedem seine Parts wie, wo und was gespielt bzw. gesungen werden soll, halt wie in einem richtigen kleinen Orchester. Manchmal muss ich auch im nachhinein ein klein wenig umarrangieren, wenn von meinen Mitstreitern der ominöse Satz dann wieder auftaucht: „Das kann ich nicht!!!???“! Grins! Um die Sache aber ein bisschen aufzulockern, dürfen sie zumindest bei ihren Soloteilen selbst Hand anlegen und kreativ sein!"


Ihr habt insgesamt 5 Monate im Studio verbracht, hat man nach einer derart langen Zeit eigentlich noch eine neutrale Meinung zu den Songs und zum Sound? Entstanden Teile der Musik erst im Studio?


"Die Aufnahme zog sich wahrlich über einen Zeitraum von fünf Monaten hin, wo wir aber auch nicht wirklich jeden Tag im Studio verharrten bzw. war dort auch zwischendurch noch mal eine andere Band kurzzeitig am werkeln! Dass das Endresultat natürlich nicht so klingt, wie es in meinen Vorstellungen vorhanden war, ist auch eine typische Tatsache, die fast jeder Musiker schon einmal (bzw. mehrmals) hinter sich hat, aber wir können im allgemeinen doch ganz Stolz auf das Endergebnis zurück blicken! Die Lieder sind eigentlich immer komplett fertig, bevor wir sie aufnehmen. Es werden im nachhinein nur noch Kleinigkeiten geändert, wenn mal was nicht so richtig passte, wie z.B. die zweite bzw. die dritte Stimme oder vereinzelte Soloparts usw.!"


Habt Ihr die Edda-Gedichte erst nach Fertigstellung der Musik ausgewählt, oder war es umgekehrt?


"Wie schon gesagt schreibe ich zu den Liedern im nachhinein die Texte, aber schon beim Entstehungsprozess wird das jeweilige passende Thema zur Grundstimmung des Stückes ausgesucht."


Seht Ihr die Edda ebenfalls als „die Bibel der Heiden“ an, wie man hier und da schon lesen konnte? Welche Bedeutung hat sie für Dich und Dein Leben in der heutigen Zeit?


"Die EDDA ist für mich ein wissenswertes Kompendium über die nordische Mythologie und die Glaubensvorstellungen der Altvorderen. Als die Bibel der Heiden würde ich sie nicht nennen, da nämlich der Begriff „Heide“ in vielerlei Hinsicht ausdehnbar ist, aber als so eine Art nordisch/germanischen Katechismus kann man jenes Traktat schon bezeichnen! Sie ist für uns Mittel- und Nordeuropäer das wichtigste mythologische Dokument (nach der Germania von Tacitus) und besitzt auch meines Erachtens einen immens hohen kulturhistorischen Wert. Auch wenn man sie erst ziemlich spät niederschrieb und aus ihr viel christlicher Einfluss interpretiert wird, bleibt doch noch genügend heidnische Essenz zurück! Wo sonst noch werden so ausführlich die Genesis, die Eschatologie und anderweitige theologische Zusammenhänge über die Mythologie der (Nord-) Germanen erläutert, als wie hier in der Edda!"


Bands, die sich textlich mit der germanischen Mythologie beschäftigen, werden immer mal wieder gerne in die rechte Ecke gerückt, was grundsätzlich natürlich völliger Blödsinn ist. Nichtsdestotrotz gab es im Dritten Reich vorwiegend von der SS betriebene Forschungen und sogar Rituale, die in diese Richtung tendierten - vor allem Himmler hatte ein großes Interesse an derartigen Dingen. Wie begründest Du deren Interesse an diesen Mythen? Und glaubst Du, dieser „Glaube“ hätte die christliche Religion im Deutschen Reich ablösen können, wie es von Himmler insgeheim geplant war?


"Wenn’s nach der ganzen völkischen, theosophischen, ariosophischen oder sonstiger mystischer Naziesoterik gehen würde, täten wir (Deutschen - Arier) ja alle von den Atlantern abstammen oder gar Übermenschen bzw. eine sogenannte höhere Wurzelrasse von dem Planeten Aldebaran sein und warten nur noch vergeblich auf eine mit Vril betriebene Ufoflotte zur Vollendung des 3. Reiches, um schlussendlich wieder im Inneren der hohlen Erde zu verschwinden?!?! Was da schon für obskure und aller wissenschaftlichen Erkenntnisse entbehrende Theorien aufgestellt wurden, ist schon beachtlich!
Gerade zur Wende des vorletzten Jahrhunderts und in der Anfangszeit der Weimarer Republik, wo romantisch / national / progermanisch-neuheidnische Auffassungen unterschiedlichster „Geheimgesellschaften“ ihren Lauf nahmen, wurde oft ein erschreckendes Konglomerat verschiedenster theologischer, okkultischer und philosophischer Ansichten mit einer Prise Rassismus und literarischer Erkenntnisse zu einem fingierten pseudopangermanischen Synkretismus der Neuzeit zusammengewürfelt!
Auch sind katastrophaler Weise jene antiquierten Vorstellungen heutzutage immer noch bei vielen Neuheiden die ultimative Quelle ihres (spirituellen) Wissens.
Damals war es ja auch zunehmend mehr als ein Konterpart zur Kirche (Säkularisierung) und einer Rückbesinnung zur Natur (wie auch heute wieder, wegen der vehement ansteigenden Industrialisierung, Urbanisierung, Entfremdung, politische Umwälzungen usw. usf.) und einem faszinierendem Hang zum Okkulten zu sehen. Der Mensch ist nun mal zum größten Teil auf einer gewissen Art und Weise von Natur aus religiös (das sieht man ja auch bei jeder Kultur und in jeder Menschheitsära!!!) und wollte damals nicht unbedingt durch die ganze Aufklärung (Darwinismus, wissenschaftliche Erkenntnisse etc.) und der Unattraktivität des in Europa immer noch herrschenden Christentums zum Atheismus „konvertieren“ und suchte daraus folgend einen anderen alternativen Weg. Trotz aller Räson und Ernüchterung ist nämlich der parapsychologische/metaphysische/transzendentale Faktor in unserem Dasein nicht einfach zu leugnen, weswegen sich auch heute wieder vermehrt die Menschen an alten Weisheiten, Urreligionen, Schamanismus usw. orientieren, inspirieren und/oder daraus resultierend/lernend ihren Werdegang versuchen zu gestalten! Aber heute wie früher gibt’s hier mehr als nur genug Schwachsinn über diese ganzen Thematiken in den Bücherregalen zu finden, so das ein Suchender sich erst durch sehr viel Mist wühlen muss, bevor er an eine anständige Abhandlung über seine Interessen herankommt. Bestes Beispiel hierfür sind die unzähligen esoterischen Runenbücher, die sich jeder Vernunft sträuben und wo auch heute noch in vielen Elaboraten (über angebliche Runenkunde) munter von Guido von List abgepinselt wird!?
Wie hätte es denn Himmler bewerkstelligen sollen, die haben ja ihre eigenen esoterischen Ideologen zum Teil selber abgesägt bzw. wurden jene Ansichten von vielen Nationalisten einfach nur verhöhnt, und den unwissenschaftlichen Kladderadatsch hätte er auch niemals einer breiteren Bevölkerung oktroyieren können. Auch glaube ich nicht unbedingt, dass man an der Front im Zweiten Weltkrieg allgemein zu Wotan opferte, sondern das da mehr aus der Bibel rezitiert wurde und zu Jahwe die Gebete in den Schützengräben gingen, um irgendwann wieder heil in die Heimat und zur Familie zurück zukehren, denn das alle Deutschen auf einmal völkisch/germanisch oder faschistisch dachten bzw. agierten wie es uns heute so schön suggeriert wird, ist genauso ein Nonsens, als wenn man gegenwärtig behaupten würde, die Bewohner der ehemaligen DDR wären von Grund auf alles Kommunisten gewesen!"


Was hältst du von den scheinbar immer zahlreicher werdenden, sogenannten Mittelalter-Märkten, die es inzwischen auf jedem Dorffest zu bewundern gibt? Glaubst Du, dass uns diese die wahre Welt des Mittelalters näher bringen? Überhaupt scheinen die Menschen in den letzten Jahren wieder verstärkt Interesse am Mittelalter zu haben, woher kommt das Deiner Meinung nach?


"Ich muss ehrlich zugeben, dass unser eins im letzten Jahr nur einmal auf so einem Event zu sehen war und das auch nur für wenige Stunden, da mittlerweile sogar die „guten“ Mittelaltermärkte mehr einer Kirmes oder einem Oktoberfest gleichen und alles auf völligen Kommerz ausgerichtet ist.
Auch gerade in der Provinz, wo sich viele mit so einem Spektakel rühmen und vielleicht auch etwas für die Kultur veranstalten wollen, werden ja nur noch für ahnungslose Touris Ausverkäufe und Selbstdarstellerprogramme zelebriert. Was man da auch manchmal für Gestalten und Verkaufsstände sieht, entbehrt sich jeder Seriosität und Authentizität.
Selbst bei mir in der Heimatstadt war schon so ein furchtbarer und lächerlicher Markt (mitten in der Stadt und neben der Kirche), wo ich dann auch noch Erschreckenderweise gefragt wurde, wieso wir da nicht mitgemacht haben, da wir doch auch so was fabrizieren!?!?
Sobald nun mal eine gewisse Anzahl Publikum für bestimmte Interessen vorhanden ist, wird es auch überdimensional mit quantitativen Angeboten zugemüllt, so derzeit und eigentlich schon die letzten paar Jahre im Bereich Mittelalter! Und welche, die sich erfreulicherweise verstärkt für diese Epoche oder Geschichte allgemein interessieren und leider nur solche dubiose Spektakels beschnuppern konnten, haben diese Neigung bestimmt auch schon längst wieder fallen lassen. Dort kann man sich nun wirklich kein praxisnahes Bild über das Leben jener Ära anfertigen, bzw. werden die latenten Ambitionen jener Besucher auf solchen Festen nicht wirklich angespornt.
Außerdem muss ich hier noch mal nebenbei attestieren, dass jene Thematik nicht unbedingt unseren Schwerpunkt vertritt, da kaum noch was ursprünglich Heidnisches in jenem Zeitalter vorhanden war (zum mindesten hier in Mitteleuropa!)! Das klassische Mittelalter präsentiert eigentlich auch mehr Ritter, Burgen, Feudalherrschaft und die Christenheit, weswegen meinetwegen auf diesen Volksfesten weiterhin irgendwelche Panoptikumsrunden a la Burgfräuleins, Larp’er, zugeschminkte Gothicfans, verklärte Romantiker, Pseudohexen und Sonstiges sich treffen und dem Klamauk frönen können, welches Szenario mich auch immer so schön an die alten DDR Märchen erinnert!!!!"


Mit MENHIR wart Ihr für einige Zeit bei Ars Metalli unter Vertrag. Hast Du noch Kontakt zu Christoph bzw. jetzt ja Julia?


"Nicht nur die ersten drei Veröffentlichungen von MENHIR sind dort herausgekommen, sondern, wie oben schon mal erwähnt, auch unser Debütalbum. Kontakt zu Commander Dobberstein habe ich schon seit Jahren nicht mehr, welcher aber von ihm damals aus ominösen Gründen abgebrochen wurde und das nicht nur zu uns, sondern eigentlich zu jeder Band die bei ihm unter Vertrag stand!"


Wie hast Du reagiert, als Du von seiner Geschlechtsumwandlung gehört hast? Würdest Du Dich generell als toleranten Menschen bezeichnen?


"Das mit der OP kann man im Grunde nicht nachvollziehen, wenn man Christoph noch so von früher kennt und ehrlich gesagt geht / ging mich das ja auch nichts an, wenn er keine Lust mehr verspürte, mit seinem „Zöpfel“ rumzuspielen und so einen Weg wählte!
Mm, tolerant? Glaube ich eher weniger, oder sagen wir’s mal so: teils/teils. Es kommt halt auch wirklich darauf an, um was es geht und ob es mich interessiert oder betrifft. Aber bei bestimmten Prinzipien kann ich schon ziemlich stur werden oder akzeptiere manche Eigenarten (Dummheiten, törichte Fehler, Falschheiten, stumpfsinnige Lügen, Ideenlosigkeiten, Unloyalität etc. etc.) einfach nicht (bzw. verkünde meinen Gram darüber), welche auch nonkonform mit meinem selbst auferlegten kategorischen Imperativ sind, bzw. nicht mit meiner empirischen Lebensphilosophie oder sonstigen apriorischen Geisteshaltungen übereinstimmen und in meinem Leben einfach keinen Platz haben. Deswegen denken bestimmt auch einige, ich wäre einfach nur ein verstockter Psychopath oder unendlich arrogant, wenn ich solche Tatsachen offen auf den Tisch lege!?"


Nun eine Standard-Frage: gib bitte einen Kommentar zu den folgenden Themen ab:


* der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern:
"Ein nicht zu unterschätzender Krisenherd! Israel stellt, wenn du so willst, einen künstlich erzeugten Staat inmitten der Siedlungsgebiete von hauptsächlich Moslems dar, welcher aber auch durch die Unterstützung der Zionisten erst verwirklicht werden konnte, der aber von orthodoxen Juden, die weiterhin in ihrer Diaspora verharren (bis ihr Messias erscheint), zum Teil abgelehnt wird! Ob’s da unten jemals Ruhe geben wird, ist fraglich!?"


* Island:
"Will ich auf jeden Fall irgendwann in meinem Leben unbedingt noch mal hin!"


* Die Simpsons:
"Sehr gute Realsatire, die alle Facetten des täglichen Lebens der heutigen Gesellschaft auf sarkastische Art und Weise auf die Arme nimmt und eigentlich mehr eine psychoanalytische Sichtweise verschiedener Charaktere veranschaulicht!"


* Wandern:
"Mache ich sehr gerne, aber bei längeren Strecken oder nicht ganz so gebirgigen bzw. zivilisierteren Landschaften bevorzuge ich mein Mountain- bzw. mein Trekkingbike!"


* unsere neue Bundesregierung:
"Würg!!!"


* Metalcore:
"Höre ich nicht, habe zwar noch ein paar vereinzelte alte Hardcore-Platten daheim, ist aber absolut nicht mein bevorzugtes Ding!"


Bitte nenne mir Deine Meinung zu den folgenden Bands:


* BEHEMOTH:
"Sagt mir leider nicht zu und habe auch von denen nichts!"


* ORPLID:

"Ich kann mit Neofolk generell nichts anfangen, ist mir alles zu pseudoelitär und jenes stupide „Möchtegernakustikklampfespielenkönnen“ wird hier einem ziemlich oft offenbart, bzw. ein eklektisches / mystisches / mythisches / romantisches / nationaltümpelndes und haarsträubendes Textkonglomerat stellenweise vorgelegt. Obwohl jene wirklich eine der besseren Bands aus diesem ganzen Genre darstellt, besitze ich trotzdem nicht eine einzige CD aus dem Neofolklager, sondern höre mir da lieber richtige Folklore aus verschiedensten Ländern an!"


* DIE APOKALYPTISCHEN REITER:
"Zum Teil uralte Bekannte und Ex-Labelkollegen von mir, mit deren Vorgängerbands ich Anfang der neunziger Jahre mit meiner ehemaligen Krachcombo einige Konzerte absolvierte! Harte werden, Harte bleiben, Harte sterben!!!"


* ENSLAVED (NOR):
"Sehr gute und überzeugende Live-Band!!!"


* BLOOD AXIS:
"Habe ich auch nichts mit am Hut (siehe oben!)!"


* BATHORY:
"Quorthon ist einfach nur Kult und der Avantgardist in der Black und Viking Metal Szene und hat Inspiration ohne Ende für mich gegeben, um diese Art von Musik zu kreieren!"


* JUDAS PRIEST:
"Uralte Heavy Metal Band, sehr schöne Solos und unser Standartsuffgegröle: „thiiis iiiis the Paaaaaaiiiiiiiiinkilleeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeer!!!"


* FALKENBACH:
"Das Debüt fand ich richtig gut, bis ich dann irgendwann mal bemerkt habe, dass die wunderschönen Melodien ganz schön sehr an einen bestimmten Filmsoundtrack angelehnt sind?!?!?!?! Das neuere Zeug sagt mir nicht mehr so zu (alles so statisch und es ist kein bisschen Weiterentwicklung zu hören, außer das vielleicht jetzt dafür ein richtiger Schlagzeuger die neuen Aufnahmen einspielte und so mehr Dynamik in den Songs vorhanden ist)!"


Zum Schluss hast Du noch die Gelegenheit für letzte Worte, Grüße, Anmerkungen usw.


"Das rat ich, Loddfafnir, vernimm die Lehre,
Wohl dir, wenn du sie merkst.
Wo Not du findest, deren nimm dich an;
doch gib dem Feind nicht Frieden."


Interview & Layout: Joe




ODROERIR mit Nocturnal Hall im Interview


„Götterlieder“ CD
(Einheit/Soulfood)


Mit dem Zweitwerk Götterlieder haben die Thüringer von ODROERIR nahezu ein kleines Meisterwerk heidnischer Tonkunst abgeliefert und konnten bergeweise überschwänglich gute Rezensionen einfahren. Nachdem sich nun die Erfolgswellen ein wenig gelegt haben dürften, ist es an der Zeit den Mannen und Frau um Bandkopf Fix mal auf den Zahn zu fühlen und einen Blick sowohl in die Vergangenheit, als auch in die Zukunft zu werfen …


Dajana:
Knapp 8 Wochen nach der Veröffentlichung von Götterlieder haben sich die Wogen gelegt. Die Resonanz war ja beinahe phänomenal. Habt Ihr das so erwartet? Wie fühlt man sich dabei? Inwieweit bringt Euch solch starke Resonanz voran bzw. weiter?


Fix:
Die Meinungen über die Platte sind wieder genauso gegensätzlich, wie bei unserem Debüt auch! Von Lobdudeleien über ein kritisches Mittelmaß bis hin zu Ressentiments und reiner Antipathie ist bis jetzt alles vertreten gewesen. Reviews sagen - meines Erachtens - auch nur die musikalischen Vorlieben und Hörgewohnheiten jener Schreiberlinge, die sie verfassen aus, welche auch die CD nur zufälligerweise in die Hände bekamen und sind somit eigentlich auch nicht das Spiegelbild einer normalen Zuhörerschaft, die sich vielleicht auch persönlich mit so einer Thematik beschäftigen!


Erwartungen sind bei mir sekundär, da positive wie negative Beurteilungen, bzw. Kritik oder Ratschläge nichts an meiner Arbeitsweise verändern werden, da ODROERIR ein großer Teil meiner Seele bzw. mentalen Fassung ist und nicht die Erwartungen einer Fangemeinschaft darstellen, verkörpert sie auch keine Konformität der momentanen musikalischen Vorlieben eines Pagan Metal Auditorium's.


Natürlich freuen einen schon die exorbitanten Bewertungen oder allgemein lobende Worte bzw. wenn sich eine gewisse Hörerschaft damit auch identifizieren kann. Ich stehe dem ja auch nicht apathisch gegenüber, aber genauso kann ich auch nur drüber lachen, wenn sich da irgendwelche abgefuckten Möchtegern-Thrasher z.B. amusisch über das Frontcover brüskieren.


Dajana:
Fix, Du hast ODROERIR 1998 noch als Projekt mit Gastmusikern gegründet, bist allein für Musik, Texte und Arrangements verantwortlich. Anno 2005 seid Ihr zu einer ordentlichen Band gewachsen. Wie despotisch agierst Du innerhalb der Band? Inwieweit läßt Du Ideen anderer Bandmitglieder zu?


Fix:
Wie schon mal erwähnt, kann man sich ODROERIR mehr als ein kleines Orchester vorstellen, wo jeder seine Noten, bzw. das was er zu spielen und zu singen hat, vorgelegt bekommt.


Wir sind keine Schülerband in der jeder denkt, er muß etwas mit integrieren. Natürlich nehme ich auch Ratschläge ab und zu mal an, oder wo z.B. meine Vorstellungen nicht anders zu bewerkstelligen sind (z.B. Stimmlage usw.), wird auch mal etwas ein kleinwenig umarrangiert, aber im Großen und Ganzen geschieht es nach meinem Willen. Da der größte Teil von uns auch noch in anderen Bands mitspielt, in denen man sich auch kreativ verausgaben kann, gibt es bei uns wegen der musikalischen Seite auch keine Diskrepanzen.


Um das alles aber ein bißchen aufzulockern, können Stickel und Veit zumindest bei ihren Soloteilen auch mal schöpferisch Hand anlegen, bzw. darf/kann/soll Philipp einzelne Breaks selbst ausarbeiten!


Dajana:
Mit Manuel habt Ihr den Bassisten von XIV Dark Centuries an Bord. Zahlt es sich aus, Musiker zu rekrutieren, die aus musikalisch ähnlichen Gefilden kommen?


Fix:
Manuel kannten wir schon etliche Jahre bzw. war schon länger ein guter Kumpel von uns und deshalb wollten wir ihn haben, da er auch menschlich zu uns paßt und nicht weil er schon in einer anderen Pagan Metal Band mitzockte. Bei ODROERIR mußte er ja auch erst noch mal schnell aufs Fingerspielen umschulen, was ihm aber ganz gut gelang!
Mittlerweile ist er nun auch schon zwei Jahre erfolgreich zugegen und bis jetzt ist alles zu unserer besten Zufriedenheit gelaufen!


Dajana:
Es scheint, das Thüringen ein recht fruchtbares Pflaster in Sachen heidnischer Tonkunst und Folk Metal ist. Seht Ihr das auch so oder ist das nur Zufall?


Fix:
In den letzten Jahren hat sich das wirklich enorm vermehrt, aber nicht nur hier in Thüringen, denn überall sprießen doch irgendwelche Pagan Metal Bands wie Pilze aus dem Boden! Warum aber auch ausgerechnet hier übermäßig diese Musik gespielt wird, vermag ich dir auch nicht so genau zu beantworten, vielleicht liegt dies ja doch nur an unserer schönen Heimat (dem „grünen Herzen Deutschlands“), welche den Musikern suggestiv/imaginär diese spirituellen Eingebungen erteilt. Ein Großteil davon sind aber mit Sicherheit auch nur Trittbrettfahrer oder infantile Plagiate ihrer Favoriten, die Ideenlos und trendorientiert versuchen noch irgendwo Fuß zu fassen!


Und welche von den ganzen angeblichen Pagan Metal Bands es auch wirklich ernst meinen, bzw. auch dazu stehen, was sie da absolvieren oder gar stereotyp Faseln, ist meines Erachtens ganz schön fraglich!!!


Dajana:
Euer Debüt Laßt Euch sagen aus alten Tagen ... befaßte sich hauptsächlich mit Thüringischen Sagen, Mythen und Legenden. Gab es in grauer Vorzeit Zeiten spezielle Kulte, Künste oder Gruppierungen in dieser Gegend? Oder habt Ihr Euch einfach an den „üblichen“ lokalen Legenden bedient, wie man sie wohl überall findet?


Fix:
Unser Debüt ist eine Hommage an unsere Heimat und unsere Urahnen. Verarbeitet wurden Sagen (Iring), historische Überlieferungen – von Gregor von Tours oder Tacitus etc., bzw. sprachen wir archäologisch nachweisbare Besiedlungen/Kultplätze aus der Eisenzeit an (Dolmar, Menosgada).
Laßt euch sagen… stellt eigentlich nur einen kurzen/groben Abriß der Besiedlungsgeschichte Thüringens, von den Kelten, über die ersten namentlich bekannten Germanen - den Hermunduren, bis hin zum Untergang des Thüringer Königreiches im Jahr 531 unserer Zeit dar!


Wie in jeder anderen Gegend auch gab's hier in Thüringen typisch einheimische (archäologisch unterteilte) Keramik- bzw. Fibelformen, lokale autochthone Götter (Gerwina, Irmin), bzw. durch verschiedene Migrationen die unterschiedlichsten namentlich bekannten Stämme, wie: Hermunduren, Thüringer, Angeln, Warnen, Franken usw. usf.! Selbst die Hunnen sollen hier überwintert haben, bevor sie weiter zogen zu den Katalaunischen Feldern, wobei sie einige Thüringer als Verbündete bzw. Söldner zu jener allbekannten Schlacht mitnahmen!


Wie der Kult im Einzelnen aussah, vermag dir leider keiner mehr so genau zu sagen. Zumindest war er hier in Thüringen genauso mannigfaltig wie anderswo auch und in dem stetigen Wandel der Zeit bzw. einem essentiellen Kulturaustausch unterworfen!
In Gotha haben sie z.B. in der Stadtmauer einen Sandsteinkoloß aus keltischer Zeit gefunden, der auf dem Kopf Einbuchtungen besitzt, die höchstwahrscheinlich für Geweihe vorgesehen waren und welcher vermutlich im Zusammenhang mit der Verehrung von Cernunnos (gehörnter Gott- siehe Kessel von Gundestrup!) steht bzw. ein lokales Pendant von ihm darstellt.
In Oberdorla wurde auch durch Prof. Behm-Blancke ein Opfermoor (welches über mehrere Jahrhunderte lang immer wieder zu Kulthandlungen aufgesucht wurde) archäologisch untersucht und in einem Freilichtmuseum die verschiedensten Kultanlagen aus den Funden rekonstruiert! So wurde wahrscheinlich durch römischen Kontakt eine entstandene Dianaverehrung attestiert bzw. wurden unterschiedliche Stelen und Kultpfähle und sonstiges (Schwert, Knochen, Keramik etc) geborgen!


Dajana:
ODROERIR kommt aus der Edda und beschreibt den Dichtermet oder Skaldenmet als Essenz aus Kwasirs Blut und bedeutet soviel wie „der Geist berauschende“. Wie gut seid Ihr im Met herstellen und trinken? ;) Was war das Umwerfendste, das Ihr im Met-berauschten Zustand fertiggebracht habt?


Fix:
Also im Vertilgen sind wir glaub ich viel viel besser, als im Herstellen (würde eh net lange halten!), außerdem haben wir hier in der Nähe einen guten Imker, von dem wir unsere immensen Vorräte immer besorgen können.
Mm, Sufferlebnis mit Met?? Da gibt's etliche denk ich mal!? Das Kurioseste war glaube ich, als wir meinen Geburtstag bzw. Imbolc vor etlichen Jahren auf der Henneburg feierten und ich dann irgendwann zu vorgerückter metseliger Stunde in ca. zehn Meter Höhe außerhalb am Geländer des Bergfriedes mit nur einer Hand hing und mich köstlichst amüsierte wie Kumpels von mir wieder versucht hatten mich auf festen Boden zu ziehen. Erst am nächsten Morgen (wo ich mein Methorn abermals suchte!) sah ich beim Anblick des Tatortes welche Gefahr da bestand!


Der Stickel könnte jetzt von sich auch die eine oder andere Anekdote zum Besten geben, wo er aber vom Großteil bestimmt nicht mehr soviel weiß, da er immer vorzeitig (egal in welcher Stellung und Situation) einschläft!!! Grins!


Dajana:
Wo seht Ihr Eure Einflüsse und Vorbilder insbesondere in Bezug auf die musikalische Umsetzung der Thematik „germanische Mythologie“? Ich meine, Bathory als „allgemeine Übergröße“ scheint klar. Aber was ist z.B. mit Künstlern wie Andrea Haugen (Nebelhexe, Hagalaz Runedance), die sich ja ebenfalls intensiv mit keltisch/germanischer Mythologie befaßt oder z.B. Estampie, die eine generelle Mittelalterband sind, inzwischen eine eigene Bibliothek mit Jahrhundertalten Texten, Melodieführungen und Instrumentenanleitungen haben und sogar originale Instrumente nachbauen und sie zu spielen erlernen, um möglichst authentisch zu sein?


Fix:
Die Einflüsse sind bei mir so vielschichtig bzw. unterschiedlich und reichen von reiner Folklore, über Soundtracks bis hin zu traditionellem Heavy Metal. Aber als erstes versuch ich auf meine Art und Weise die Thematik rüberzubringen, wo ich lediglich verschiedene Stilelemente bzw. Instrumente dazu nutze!


Hagalaz ist zwar in Ordnung, gefällt mir aber persönlich nicht so sonderlich, da schon eher Lorena McKennitt oder Volund, bei denen auch einfach bessere Musiker am Werk sind bzw. die Kompositionen mich mehr überzeugen!
Die andere Band kenn ich überhaupt nicht!?
Wie schon öfters mal erwähnt, sind die Wikingeralben von Bathory für mich der wesentlichste musikalische Anstoß, solch eine Art Klangwelt zu kreieren, aber ohne ihn kopieren zu wollen!


Dajana:
Welche Bands aus diesem Genre sind Eurer Meinung nach in ihrer Umsetzung kreativ, innovativ, authentisch, besonders originell und somit erwähnenswert?


Fix:
Vor allem, wie eben schon genannt, das Material von Quorthon, aber auch nicht unbedingt die Nordland Alben, da fehlt irgendwie der Spirit, wie er noch auf "Twilight Of The Gods", "Hammerheart" oder auf dem aggressiveren Album "Blood, Fire, Death" noch zu hören und erahnen war/ist!
Die alten Vintersorg find ich auch ziemlich originell (allein die Stimme ist der Hammer), dann noch sein ehemaliges Nebenprojekt Otyg, dann vielleicht noch Storm, Skyclad, Eluveitie, Skyforger etc.!
Von vielen anderen und gerade den jüngeren Bands können mich ehrlich gesagt nur die wenigsten überhaupt begeistern, da den meisten einfach die Originalität fehlt bzw. nichts Neues und Überzeugendes geboten wird, oder im schlimmsten Fall nur einen Schein bzw. eine abgekartete Show darstellen und in der Wirklichkeit nichts von dem so ist, wie sie es vielleicht sein wollten!


Dajana:
Apropos Instrumente ... Auf Götterlieder ist mir aufgefallen, das Ihr zwar Flöten und Maultrommeln einsetzt, selbige aber sehr schlecht herauszuhören sind. Lag es an der Produktion oder an technischen Möglichkeiten? Werdet Ihr zukünftig vermehrt auf „Naturinstrumente“ setzen? Wenn ja, in welcher Form?


Fix:
Also, eine Maultrommel ist auf der ganzen Platte nicht zu hören (würde ja auch sonst im Booklet stehen) und die Flöte ist nur bei Skirnirs Fahrt an einer einzigen Stelle vertreten, wo sie aber auch meines Erachtens deutlich genug heraussticht!
Wir haben zwar verschiedene andere Instrumente wie: Blockflöte, Tin Whistle, Schalmei, Mandoline usw. usf., welche aber hauptsächlich nur bei Akustikauftritten verwendet werden oder einfach noch nicht in irgendwelche Lieder mit integriert wurden!


Dajana:
Gibt es bereits neue Ideen, Konzepte zu einem nächsten Album? Was wollt Ihr schon darüber verraten?


Fix:
Das Konzept Götterlieder ist ja mit der einen aktuellen Platte noch längst nicht abgeschlossen und wir werden an der restlichen Umsetzung aus diesem Kontext verstärkt arbeiten, um irgendwann hierzu die Nachfolgealben aufzunehmen!
Wie – wann – wo, steht leider noch nicht fest und ich laß' mich diesbezüglich auch nicht unter Zeitdruck setzen!


Dajana:
Deutsche Bands, die sich mit deutscher Vergangenheit auseinandersetzen, werden ja oft in die rechte Ecke gedrängt, müssen sich für alles rechtfertigen oder werden sogar angefeindet, auch wenn diverse Argumente völlig hirnrissig oder an den Haaren herbeigezogen sind. Nun gibt es die Kampagne „Du bist Deutschland“, die vermitteln soll, daß man sich als Deutscher seiner Heimat nicht schämen muß, daß man (wieder) stolz sein und (wieder) ein nationales Bewußtsein haben darf, ohne sofort als Rassist, Antisemitist oder Faschist gekreuzigt zu werden. Was haltet Ihr davon?


Fix:
Diese Kampagne kenn ich nicht, aber wenn ich mich nicht ganz irre und so wie ich am Rande mitbekommen habe, ist dies im Fernsehen gelaufen? Tja, und dieses Medieninstrument existiert nicht in meinem Haushalt und so bekam ich das ganze auch nicht so mit und hätte auch garantiert den möglicherweise Pseudoalibischwachsinn nicht verfolgt!


Da Deutschland nicht als Siegermacht aus dem Zweiten Weltkrieg hervorging, schreiben unweigerlich, wie in jedem anderen Krieg auch, die Sieger die Geschichte bzw. bauen sie einen neuen Staatsapparat nach ihren Vorgaben auf (siehe aktuell Irak!), ohne das er eine wirkliche Souveränität besitzt und eine gewisse Umerziehungsagitation ging so dann seinen Weg (Ost wie West*).
Ich will hier nicht den Krieg verherrlichen und schon gar nicht diesen Naziwahnsinn im Dritten Reich mit allem was dazu gehört, auch die Verbrechen, die geschehen sind nicht totschweigen bzw. bagatellisieren oder geschweige eine revisionistische Haltung annehmen, aber es ist wirklich genug SCHEISSE auf beiden Seiten (eigentlich drei Seiten) passiert, das kann keiner abstreiten und wird sogar vermehrt und mittlerweile in den öffentlichen Medien kundgegeben. Um hier nicht weiter auf dieses stigmatisierte Thema einzugehen, denn die Fragestellung war ja ein bißchen anders, aber ohne den geschichtlichen Hintergrund sonst nicht korrekt beantwortbar, muß ich auf einige Tatsachen eingehen!


Es ist nun mal Realität, daß im Dritten Reich (und schon vorher) viele germanische Symbole für ihre eigenen demagogischen Zwecke benutzt wurden, das man angeblich teutonische Eigenschaften einfach auf das deutsche Volk übertrug bzw. attestierte man eine Übermachtstellung des nordischen Typus (Arier – welcher übrigens ein Terminus aus dem Sanskrit darstellt!) aus spekulativen Rassenlehren, denn das neue (stellenweise auch romantisierte) Nationalbewußtsein war schon eine etwas längere Zeit und zum Teil auch pervertierten Form in Schwange und dies auch nicht nur hier in Deutschland! Auch ist Antisemitismus bzw. Rassismus nicht erst im Dritten Reich entstanden und der Deutschen ihr Eigen, sondern ein weltweites „Phänomen“ und schon seit Ewigkeiten vorhanden!


Genauso ist das Hakenkreuz (Sonnenrad, Swastika – welches auch weltweit und seit Jahrhunderten/Jahrtausenden fundiert ist und bei verschiedensten Kulturen benutzt wurde/wird) sowie die Runen auch keine Erfindung des Hitlerfaschismus!
Aber wer sich hier heutzutage wieder mit der heidnischen Ära und Kultur der Germanen, Wikinger etc. auseinandersetzt, egal welcher Form (Wissenschaft, Re-enactmant, Musik, Literatur), wird durch die ganze Tabuisierung jener Thematik automatisch in ein politisches Lager geschoben, da auch zum Teil eine öffentliche objektive Aufklärung über die Mythologie und Geschichte der Germanen und aber auch des Zweiten Weltkriegs fehlt!


Unser eins interessiert sich primär für die Natur und dessen Erhaltung, des weiteren für die Mythologie, Religion und die ganzen geschichtlichen Zusammenhänge der heidnischen Ära von Alteuropa und hat eigentlich nichts übrig für eine rigorose Diktatur und besitzt auch keine Faszination für Panzer, bzw. sonstiger moderner Kriegsmaschinerie und Zerstörung.


* Germanenforschung war z.B. erst einmal jahrelang für die Wissenschaftler tabu gewesen. Bei uns im Osten wurden sogar die neueren Funde auf einmal den Slawen zugewiesen und in der ehemaligen UDSSR sind Archäologen in den Knast gekommen, die es wagten zu behaupten, daß ein Teil der russischen Vorfahren Wikinger waren usw. usf.!


Des weiteren wurden schon vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges so genannte Umerziehungsprogramme für die Deutschen entworfen, welche auch ziemlich erfolgreich waren, wie man so mitbekommt, wenn über dieses heikle Thema disputiert wird!
Ich kann mir jetzt schon wieder die subjektiven Hasstiraden und Verleumdungen der „Antifa“ vorstellen, wenn sie z.B. dieses Interview lesen.


Auch ein ganz großer Verfechter musikalischer, sich dem Paganismus widmender Ergüsse, ein gewisser Christian Dornbusch, wird mit Wahrscheinlichkeit hier drüber wieder mokieren bzw. wird er sich sicherlich abermals ein paar Wortfetzen hieraus nehmen und eine Eigeninterpretation fingieren?!?!


Dajana:
Glaubt Ihr, daß es in näherer Zukunft vielleicht möglich ist, daß die germanische Vergangenheit wieder Einzug in das Geschichtsbewußtsein findet?


Fix:
Wünschenswert wäre es schon, wenn wieder einmal die eigene Vergangenheit objektiv hauptsächlich der Jugend beigebracht wird, wie in anderen Ländern auch und dort als normal angesehen wird!
Aber es ist nun mal so, daß Tradition, Patriotismus, Meinungsfreiheit und Volkszugehörigkeitsgefühl konträr stehen zu einer indoktrinierten-staatlichen alles gleichmachenden Vereinheitlichung, einer angestrebten Multi-Kulti-Kultur, Verdummung des Volkes durch die Medien (Big Brother, Deutschland sucht den Superarsch etc.) und anderen werbestrategischen Suggerierungen kommerziel-kapitalistischer Wahnideen!
Und dies ist auch ein weltweites Dilemma, was kaum noch aufzuhalten ist, da immer irgendwelche korrupten Machthaber (Kirche, Staat, Konzerne, Medien etc.) versuchen werden, die Geschicke der Welt zu leiten - siehe Einführung des Inflationsgeldes EURO, rigorose Durchsetzung einer Pseudorechtschreibreform, stetige Missionierung der Dritten Welt etc. etc.!


Dajana:
Wie schwer ist es, als deutsche Band germanische Mythologie und deutsche Texte Nicht-Deutschen näher zubringen? Oder andersherum gefragt: wie groß war die Resonanz aus dem Ausland, haben sich Fans intensiver mit den Inhalten beschäftigt?


Fix:
Wir bekommen des Öfteren und das auch schon seit Jahren Post aus dem Ausland (Chile, Brasilien, USA, Schweden, Polen etc.), ob die nun die Texte verstehen bzw. sich übersetzen ist uns aber leider nicht bekannt! Als erstes hört man sich eh die Musik an, bzw. sieht man schon am Cover, um was es da geht und was es darstellen soll.
Zumindest wollen wir in geraumer Zukunft auch noch eine englische Version unserer Internetseite anbieten, damit auch die nicht deutschsprachigen Länder einen Überblick über unsere Intentionen mitbekommen!
Wünschenswert wäre auch, wenn wir durch unsere Musik und alles was dazu gehört einen Anreiz an die Fans aus den verschiedenen Ländern geben könnten, daß sie sich auch mal mit ihrer eigenen Vergangenheit und Geschichte beschäftigen.


Dajana:
Eure Liveaktivitäten halten sich ja eher in Grenzen. Tut sich da was in nächster Zukunft? Ich meine, mal eine richtige Tour oder Toursupport, statt nur vereinzelte Konzerte?


Fix:
Mal sehen, wenn alles klappt, geht's im neuen Jahr auf eine kleine Tour. Da ja nun fast alle noch eine andere Band haben und einem Beruf nachgehen, schneiden sich auch manchmal die Termine.
Desweiteren kümmern wir uns sehr selten selber um Konzerte und die Nachfragen halten sich diesbezüglich auch in Grenzen bzw. können manche Veranstalter auch so gar nicht kapieren, wieso wir nicht für fast Umsonst spielen!


Dajana:
So, das war's dann auch. Danke für die Mühe und Antworten. Man sieht sich dann spätestens bei der Ultima Ratio 2006 :) Die letzten Worte gehören natürlich Euch ;)


Skål

Umsichtig und verschwiegen sei ein jeder
Und im Zutraun zaghaft.
Worte, die andern anvertraut wurden,
Büßt man oft bitter.


10/2005



Erhältlich
seit 28.05.2010


Odroerir
„Götterlieder II“ CD


Alkonost
„On The Wings Of The Call“ CD


Finsterforst
„Urwerk“ Digi-2-CD


Horn
„Distanz“ CD

frühere
Veröffentlichungen

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