Thrudvangar, Nomans Land, Trollech am 11.01.2008 in Oberhausen (Helvete)
Die Winter Ride Tour der Cöthener Horde namens Thrudvangar zusammen mit
ihren Labelkollegen Nomans Land sowie den Tschechen Trollech rollte ja Anfang
Januar an.
Da wir Euch bei der letzten Tour der Sachsen-Anhalter aus terminlichen Gründen
leider keinen Live-Bericht bieten konnten, lag es für uns neben der persönlichen
Vorfreude, die Jungs endlich mal live on Stage zu sehen, auch sehr am Herzen,
unseren Lesern endlich einen Live-Bericht zu liefern. Also statteten wir an
dem vorletzten Termin der Tour dem in Oberhausen gelegenen Metalclub Helvete
einen Besuch ab, welches im oberen Stockwerk eine nett hergerichtete Kneipe
beherbergt und in dessen Untergeschoss der Raum gelegen ist, in dem die Konzerte
stattfinden.
Mit doch einiger Verspätung starteten dann die Tschechen Trollech, um
den Winter Ride 2008 auch in Oberhausen einzuleiten, obwohl die Außentemperaturen
eher keine winterlichen Gefühle aufkommen ließen. Allerdings hat
sich in der Szene wohl schon herumgesprochen, dass die Mucke der Pure Forest
Black Metaller richtiggehend gefangen zu nehmen weiß, denn es wurde vor
der Bühne des nahezu komplett in schwarz gehaltenen Raums den Umständen
entsprechend voll.
Die Gesichter schwarz-weiß geschminkt, betraten die Herren Asura (Bass,
Vocals), Lord Morbivod (Gitarre, Vocals), Throllmas (Gitarre) und Sheafraidh
(Drums) die Bühne und begannen ihren Job als Opener des Abends.
Und diesen Job erledigten die Tschechen richtiggehend gut, denn dank des
Bühnenactings,
welches viel Bewegung der Bandmitglieder zeigte, obwohl eigentlich nicht viel
Platz auf dieser Bühne gegeben war und aufgrund des Interagierens mit
dem Publikums wuchs die Begeisterung unter den Fans merklich. Höllisch
schnelle Parts in den Songs trafen auf folkige Klänge, die auch wirklich
sehr gut klangen und ebendiese Mischung traf dann auch voll ins Schwarze bei
den Fans, die vor der Bühne recht amtlich ihre Matten kreisen ließen.
Lediglich hinter die Songtitel und –Texte muss ich an dieser Stelle ein
Fragezeichen machen, denn ich bin der tschechischen Sprache leider nicht mächtig.
Aber ich kann soviel sagen, dass es inhaltlich um den Wald und die Natur geht.
Man konnte den Jungs trotz ihrer böse geschminkten Gesichter durchaus
ansehen, wieviel Bock sie darauf hatten, den Fans ihre Songs zu präsentieren.
Besonderen Bewegungsdrang hatte dabei Gitarrist Throllmas, der allerdings bei
Lord Morbivod nicht immer den idealen Partner zum Posen fand, denn der wollte
partout nicht mitmachen. Auch war es Throllmas, der dann auch mal samt Klampfe
die kleine Treppe hinunter und vor die Bühne ging, um mit den Fans auf
Tuchfühlung zu gehen.
Throllmas riss zwischenzeitlich eine Saite seiner Klampfe, woraufhin er schnell
die Bühne verließ, um eine Ersatzklampfe zu besorgen. In dieser
Zeit passierte auf der Bühne allerdings nicht viel. Die Jungs wären
hier besser bedient gewesen, eine kleine Jam-Session als Lückenfüller
zu bieten anstatt untätig auf Throllmas´ Rückkehr zu warten.
So gibt es kleine Abzüge in der B-Note, aber in ihrer sonstigen selbstbewussten
und gar nicht so sehr evil wirkenden Bühnenpräsenz wirkten die Jungs
dann doch recht sympathisch und ernteten bei den Fans für ihre Performance
den wohlverdienten Applaus. Ein starker Einstieg, den die Tschechen als Opener
hier auf die Bretter legten.
Setlist Trollech:
Volám do lesu
Vzácné setkáni
Naturia
Zelená ruka jara
Poustevnik
Stromy jsou v nás
Hrdê proti Kristu
Ve stínu staey´ch dubu
Nun wurde es Zeit für die St. Petersburger
Viking Metaller Nomans Land, die Labelkollegen der heutigen Headliner Thrudvangar.
Was hier bei der zweiten Band des Abends sehr deutlich wurde, war folgendes:
Die Anwesenden haben einerseits mehr Wert gelegt auf das Schwingen ihres Haupthaars.
Das war das Positive. Das Negative am Auftritt des Vierers wog allerdings etwas
schwerer: Zum einen wirkte das Bühnenacting der Jungs doch ziemlich statisch,
um es mal ganz gelinde auszudrücken. Viel Bewegung boten die Herren da
oben auf den Brettern den Leuten vor der Bühne nun wirklich nicht.
Desweiteren wirkte der cleane Gesang des Gitarristen Sigurd irgendwie befremdlich.
Und überhaupt gab man sich seitens der Musiker dem Publikum gegenüber
dann doch auch recht distanziert. Meine Erinnerungen gingen daraufhin wieder
an dem Auftritt von Trollech, welche diesen Job zuvor weitaus besser absolviert
hatten.
So feierte das Publikum die Band dann auch einen Tacken weniger ab
als noch zuvor beim Auftritt der Tschechen. Während des Gigs der Russen
wurde im Publikum sogar ein Methorn erhoben und dieses kam dann auch klanglich
zum Einsatz.
Das statische Bühnenacting ließ die Stimmung vor der Bühne
nicht allzu hochkochen und so wurde dann gegen Ende des Sets trotz vielfacher
Rufe der Metalheads nach dem Song „Lord Of The Seas“ noch nicht
einmal dieser als Zugabe gespielt. Einen Moment lang sah es fast danach aus,
als ob den Fans zum Abschluss dieser Song doch noch geboten werden würde,
denn die Musiker standen in der Bühnenecke und schienen sich zu beraten,
doch dann verließen sie, ohne eine Zugabe gespielt zu haben, die Bretter.
Eher eine schwächere Vorstellung der Russen.
So, endlich kamen wir zum
Headliner des Abends, den Recken von Thrudvangar. Als sie die Bühne betraten,
wusste ich, dass nun endlich alles wieder gut werden würde an diesem Abend.
Was aber leider gar nicht gut war, war die traurige Tatsache, dass zahlreiche
Fans den Konzertraum des Helvete auf Nimmerwiedersehen verlassen hatten. Unbegreiflich,
vor dem Headliner einfach zu gehen.
Waren zur Zeit von Trollech´s Gig noch so grob geschätze 150 Mann
anwesend, hatte sich die Anzahl der noch Feierwilligen zu Beginn von Thrudvangar´s
Set auf ca. 40 reduziert. Doch bereits beim ersten Song „Thor“ des
aktuellen Albums sah man schönerweise schon im Ansatz, dass die übrig
Gebliebenen alles daran setzten, die Band gebührend abzufeiern. Da wurden
Arme in die Luft gereckt, allerorten kreisten vor der Bühne die Mähnen
und textsicher waren die Fans erfreulicherweise auch noch.
Matze am Mikro und
seine Recken lieferten eine absolut überzeugende und
vor allen Dingen auch glaubwürdige Vorstellung. So hatte ich es mir immer
vorgestellt, wenn diese Musiker auf der Bühne stehen und ihre heroischen
Hymnen unters feiernde und biertrinkende Volk bringen.
Da wurde der Meute von der Bühne herunter mit einem zünftigen „Skol“ zugeprostet
und wenn dann auf der Bühne seitens Frontmann Matze gebangt wurde, was
das Zeug hält, dann hinterließ das natürlich auch im Publikum
seine Spuren. Und die fand man ganz sicher: Es wurde immer weiter gebangt,
als gäbe es keinen Morgengrauen mehr. „Piraten des Nordens“ ließ eine
Publikumschor aufbranden, dass man dachte, eine komplette Wikinger-Mannschaft
wäre vor Ort. Gänsehautstimmung…
Die Feierlaune nahm während
des Sets immer mehr zu, kein Wunder, denn die Songs sind durch und durch wahre
Hymnen von ruhmreichen Kriegern und auch
wenn die Songs des aktuellen Albums „Zwischen Asgard und Midgard“ düsterer
klingen als noch die Songs auf der „Walhall“, so haben auch sie
doch das inne, was Thrudvangar´s Musik ausmacht: Sie nehmen Dich gefagen
und das mit Haut und Haar. Wie heißt es so schön in „Midsommernacht“: „……Die
Lust am Gesang ist nun entfacht…“
Nur hier zieht nicht etwa „der Flammen Lichte“ jeden in seinen
Bann, sondern das, was die Jungs da oben auf der Bühne präsentieren.
Den Höhepunkt an Met- und Bier-geschwängerter Stimmung erreichte
man dann mit dem Stück „Jul“, in dem es ja auch textlich um
Bier geht, das zum Julfest getrunken wird.
Sicherlich gab es viele Leute, die auch nach diesem Song noch lange mit dem
Mannen dort oben auf der Bühne hätten weiter feiern können,
doch nach „Jul“ war leider Schluss.
Will heißen, es gab leider keine Zugabe … Schade, denn die Fans
hätten sicher noch mehr Songs von den Jungs gehört, um die Band noch
weiter abzufeiern. Eine sehr gute Vorstellung von Thrudvangar, die mit Gigs
solcher Art ihren Status weiterhin immens steigern werden, ich sag nur: Ruhm
und Ehre können ihnen mit Gigs solcher Art zuteil werden und ja, ich würde
es ihnen verdammt nochmal sehr gönnen! Bei Thor, darauf verwette ich als
eine der Jungfrauen Odins ein gefülltes Methorn.
Eine sehr gute Leistung
der Cöthener Horde!
Dani Zechel-Heise