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Grabak - Interview


Interview METALLICZINE November 2007


Grabak – Frei von Berührungsängsten und Image


Metalscheiben mit Langzeitwert sind rar gesäht. Eine Scheibe, die auch einige Monate nach Veröffentlichung immer noch äußerst häufig in die Dauerrotation gerät ist „Agash daeva“ der Leipziger Black Metal Horde von Grabak, die ich nun endlich interviewt habe, obwohl ich das schon viel früher vorhatte. Schande über mein Haupt.


Letztlich ist aber auch gerade jetzt die Zeit der dunklen, verregneten Tage gekommen, wofür es wohl kaum einen besseren Soundtrack gibt als eben „Agash daeva“, wonach ihr dringend Ausschau halten solltet, wenn euch der Sinn nach nackenbrechendem, nordisch kühl-brutalem Black Metal der Sorte Gorgoroth / Dark Funeral steht. Das finstere, äußerst brutale Scheibchen sollte euch keineswegs durch die Lappen gehen! Umso mehr hat mich gefreut, dass sich Jan von Grabak sehr viel Zeit für das Interview genommen hat und entgegen aller sonstigen Erfahrungen im Black Metal Bereich mit interessanten, intelligenten und wirklich lesenswerten Antworten aufwartete, die völlig frei von Pathos oder gar Überheblichkeit ein grundehrliches Gesicht einer hoffnungsvollen, sympathischen deutschen Band aufzeigen. Los geht’s:


Dirk: „Bisher habe ich euch, obwohl ihr seit 1995 existiert, schlicht und ergreifend noch nie wahrgenommen, doch mit „Agash daeva“ hat sich nun alles schlagartig geändert. Ich denke ihr habt mit dem aktuellen Album einen brutalen Hammerschlag hingelegt, der euch direkt auf Augenhöhe in die Gorgoroth / Dark Funeral Liga katapultiert. Nehmt ihr euren gigantischen Sprung ebenso wahr oder backt ihr da emotional eher kleine Brötchen?“


Jan: „Hallo erstmal. Freut uns natürlich zu hören, dass die Scheibe tatsächlich krankhafte Erscheinungen im Zervikalbereich hervorruft. Dann passt der Albumtitel ja perfekt. Ich sage mal so, vielen Leuten geht es so wie dir. Die hören zum ersten Mal etwas von uns oder haben sich bisher vor unseren Alben gescheut. Andererseits gibt es gerade im Ausland viele Fans, die uns seit der ersten Stunde begleiten. Dass das neue Album nun diese positive Resonanz hervorruft, ist schon etwas überraschend. Wir wussten zwar, dass das Material gut ist, dieses Feedback konnten wir jedoch so nicht erwarten. Immerhin lagen vier Jahre zwischen den letztem Alben, eine Zeit, die eigentlich viel zu lange ist, um im Gespräch zu bleiben. Wie auch immer, so wirklich bewusst, haben wir den „gigantischen Sprung“ gar nicht wahrgenommen. Wir freuen uns immer noch über jede positive Reaktion und hoffen, dass wir auch in Zukunft Musik abliefern, für die wir uns nicht verstecken brauchen. Ob uns das ganze jedoch auf eine Stufe mit Dark Funeral stellt? Immerhin haben oben genannte Junge einige der Meilensteine in der Geschichte des Black Metals hinterlassen.“


Die Bescheidenheit ehrt Grabak ganz sicherlich. Ich kann mir nur nicht vorstellen, dass man sich als Metaller vor so einem Gewitter wie Grabak ernsthaft „scheuen“ könnte. Wie dem auch sei:


Wie verlief eure bisherige „Karriere“ in kurzen Stationen? Welches waren eure Highlights bisher?


Nun, wir haben Grabak 1995 gegründet. Im Dezember 1997 haben wir dann ein Demo aufgenommen, jedoch nur ganz wenig promotet. Zu wenig aus heutiger Sicht, aber man war ja Underground. Zwei Jahre später haben wir dann doch mal Material an verschiedene Label geschickt und dann bei CCP unterschrieben. Das Resultat war das Debütalbum „Der Prophet des Chaos“. Da bei uns in der Regel zwei Jahre vergehen, bis wir neues Material fertig haben, dauerte es bis 2001, ehe „Encyclopaedia Infernalis“ veröffentlich wurde. Wieder via CCP Records, wo 2003 das bis dato letzte Album „The Serpent within Paradise“ auf den Markt kam. Nun ja, 2006 lief der Vertrag mit CCP aus und wir schauten uns nach neuen Partnern um, die wir letztlich in Black Blood Records bzw. Einheit Produktionen auch fanden. Soweit die diskographischen Highlights. Andere Höhepunkte waren sicher die Konzerte mit Dark Funeral und Dissection, die unglaublich professionell waren.“


Ist es als deutsche Band nicht unheimlich schwer, sich internationales Gehör zu verschaffen? Ich denke, dass es vor allem nordische Bands immer noch bedeutend leichter haben, vor allem wenn man Black Metal spielt.


Puh, ist echt eine schwere Frage. Ich würde sagen, dass viele alte skandinavische Bands immer noch einen Bonus haben, da sie schon lange dabei sind. Jedoch ist die Qualität der neueren Alben eher schlechter. Oftmals habe ich auch das Gefühl, dass kaum noch eine Veränderung vonstatten geht. Wirklich innovative Dinge passieren nur noch sehr selten. Wie ich eingangs schon erwähnt hatte, sind wir international nicht ganz unbekannt. Wir bekommen regelmäßig Post aus den verschiedensten Ländern. Ein paar der treuesten Fans wohnen in Australien…Du siehst also, wenigstens im Zusammenhang mit den Fans klappt das.
Was den Kontakt zu Bands betrifft, da hast du Recht. Da beschränkt sich das Ganze eher auf Leute, mit denen man mal Konzerte gespielt hat.


Wie beurteilt ihr generell euren Status in der deutschen Black Metal Szene? Ich denke, gerade mit Bands wie Negator, Endstille oder Darkened Nocturn Slaughtercult sowie jetzt euch wächst da derzeit ein schwarzes Monster heran, dass den Nordlichtern erheblich Konkurrenz macht und die Stellung des Black Metals ganz erheblich steigert! Steht ihr in Kontakt zu den genannten Bands? Welche anderen Bands zählt ihr zu euren guten Freunden?


So etwas wie Status lässt sich im Allgemeinen schwer einschätzen. Ich würde sagen, wir sind einer der schnellsten Bands in Deutschland – zumindest im Black Metal. Was das ganze wert ist, werden wir wohl erst im Laufe des kommenden Jahres feststellen.
Zu den genannten Bands haben wir keinen Kontakt. Außer vielleicht zu Endstille, da sich unser Drummer wohl mal mit den Jungs bei einem ihrer Gigs getroffen hat. Mit DNS haben wir schon gespielt.
Ansonsten sind viele Kontakte von früher eher eingeschlafen. Viele Bands kochen nun ihr regionales Süppchen, so wie wir letztlich auch, denn befreundet sind wir hauptsächlich mit Bands aus unserem Raum.


Scheinbar ist es in Leipzig wie überall sonst in Deutschland nicht wirklich gut um die überregionale Szene und den Underground bestellt. Einerseits gibt es genügend globale Vernetzungsmöglichkeiten (siehe Myspace etc.), andererseits bleiben die meisten Leute dann doch verstärkt zu Hause in ihrem bekannten Umfeld. Apropos: Auf eurer Myspace Seite habt ihr euch ebenso in die Death Metal Schublade einsortiert, was eher ungewöhnlich für eine Black Metal Band ist. Habt ihr da schlicht und ergreifend keinerlei Berührungsängste zu anderen Metal Szenen und seid eher offen, oder war Death Metal einfach nur am „artverwandtesten“?


Wir waren schon immer eine Black Metal Band, sind es und werden es auch bleiben. Allerdings haben wir einen Death Metal Drummer, was zwangsläufig dazu führt, dass bestimmte Stilistiken Einzug in die Musik halten. Auch Thrash oder Heavy Einflüsse sind gewollt, stellen also ebenfalls einen Indikator dafür dar, keine Berührungsängste zu verschiedenen Metal Szenen zu haben. Im Zusammenhang mit Myspace ist es aber eher die Suchfunktion.


Nochmal zurück zu eurer Heimatstadt: Wie ist es um eure Szene in Leipzig bestellt? Ist es im Osten in letzter Zeit auch eher so, dass Konzerte immer leerer werden und die Leute außer zu den Festivals kaum noch zu Konzerten gehen? Was kann und muss man noch machen damit sich das wieder ändert?


Grundlegend kann man wohl sagen, dass die Szene im Raum Leipzig sehr fruchtbar ist. Bands wie Darkestrah, Valgaldrar, Eternal War oder auch Mortal Intention kommen alle aus unserem Gebiet. Nicht zu vergessen Disillusion, die regelmäßig den Hammer schwingen. Doch nicht nur die BM-Szene, sondern auch Hard Core, Punk und alle möglichen, sagen wir mal, Gitarren-lastigen Stile sind seit jeher ansässig. Da tauchen Namen wie Think About Mutation oder Factory of Art auf. Die Szene ist also sehr wohl vorhanden. Ich hatte zwar nicht unbedingt das Gefühl, dass die Konzerte wirklich auffallend weniger besucht waren, wobei eine Tendenz jedoch nicht zu verschweigen ist. Es werden weniger Einzelkonzerte… und das ist sicherlich eine Konsequenz daraus, dass die Leute sich sehr genau überlegen, welches Konzert sie besuchen. Auf der anderen Seite ist das Angebot an Festivals heute unglaublich inflationär, so dass es einfach schwer ist, sich zu entscheiden. Meistens finden die auch noch parallel statt. Zum Beispiel Pfingsten, alleine im Umkreis von 50km finden das Hellraiser Open Air, das WGT und das United Metal Maniacs statt. Klar, dass die Besucherzahlen rückläufig erscheinen.
Was sollte man also tun? Erstens, die Konzerte besser koordinieren, sich also szeneintern besser oder überhaupt mal absprechen. Ein zweiter Grund für die Rückläufigkeit ist eher finanzieller Natur, es wird allgemein weniger für Kunst ausgegeben.


Ersteres halte ich sicherlich für einen sehr guten Vorschlag, was man allerdings allgemein gegen den Zeitgeist tun kann, um Leute dazu zu bewegen, wieder mehr in Kunst und Kultur, und von nicht anderem reden wir hier eigentlich, zu investieren, ist auch mir ein Rätsel. Liegt wohl an der wachsenden Umsonst-Mentalität im Zeitalter von Internet und MP3. Immerhin gibt es ja als weiteres künstlerisches Schmankerl das Booklet bei CDs, was zumindest mich generell immer eher von einem physikalischen Release und Kauf überzeugt, anstatt sich Alben nur via MP3 reinzuziehen. Das Grabak Booklet ist übrigens äußerst interessant! Jan, eure Booklet Fotos im neuen Album sind sehr außergewöhnlich und „anders“. Ist das eine Art neues Gore-Corpsepaint oder was hat euch zu diesem Schritt inspiriert?


Danke, wir haben den Bildern diesmal wirklich viel Wert beigemessen, da sie maßgeblich zu Gesamtkonzept passen mussten. Sowohl Cover als auch Booklet sollten zum Albumtitel passen. Sie mussten also genauso faszinieren und abstoßen, wie das Coverbild.


Apropos Inspirationen: Welche Bands waren für euch persönlich wegweisend und beeinflussend in lyrischer sowie musikalischer Hinsicht?


Das differiert natürlich von Bandmitglied zu Bandmitglied. Recke hat mit Thrash Metal angefangen. Also Bands wie Sodom, Destruction oder Slayer. Jedoch auch skandinavische Black Metal Bands waren sicher inspirierend, so wie für alle anderen in der Band auch. Um vielleicht ein paar Namen zu nennen, Dark Funeral, Emperor, Setherial oder auch Naglfar. Unser Drummer ist stark Death Metal inspiriert, Morbid Angel, Hate Eternal etc. Naja, bei mir kommen noch alte Heavy Bands dazu. Hatte ich Judas Priest erwähnt?
Textlich finde ich COF recht gut, jedoch halte ich mich eher an literarische Inspirationen wie Milton, Dante, Blake oder halt mythologische Texte.


Wie wichtig sind euch die Texte? Ist es möglich, uns einen kurzen, zusammenfassenden Einblick ins neue Album zu gewähren?


Da fragst du ja genau den Richtigen. Ich nehme mir einfach das Recht heraus, den Texten eine besondere Bedeutung zuzumessen. Aber gehen wir am besten der Reihenfolge nach durch. ´Beyond A Black Horizon´ – ein Text über einen Ort, der unwirklich und zerstörerisch für die dort befindlichen und täglich ankommenden Existenzen ist. ´Nightworks´beginnt als die textliche Umsetzung satanischer Rituale, endet jedoch letztlich nur als pure Vergewaltigung des entsprechenden Opfers. In ´Dominion´ ist die Versuchung des Nazareners durch Satan thematisiert. ´Homo Diabolus´ – der Teufel in Menschengestalt oder vielmehr die Dämonen im eigenen Gehirn. In ´The Beauty...´ ist der Liebesakt einer fiktiven Person mit drei Gorgonen beschrieben, der zugegebenermaßen anfänglich Spaß machen dürfte, mit der Zeit jedoch einer steinernen Ruhe weicht. Thema in ´Judas´ ist der Verrat an Jesus aus Sicht des Iscariot. ´Furia´ ist bei uns ein aus Blut geborener Dämon, der als personifizierte Rache sowohl Menschen als auch deren Erbe auslöscht. Sehr nah an den Mythen zu den Furien. ´Code 666´ ist die textliche Verhöhnung von Christus am Kreuz, ein wirklich blasphemischer Text… Nun, in ´Strigoi´, Wiedergänger aus karpatischen Erzählungen, habe ich zwei Strophen aus Lovecrafts „Nightgaunts“ verwendet und zwei weitere hinzugefügt. Es handelt sich letztlich um wiederkehrende Albträume. Für ´Through The Ten Circles Of Hell´ stand mir Dantes „Inferno“ Pate. Jede Strophe beschreibt einen weiteren Kreis der Hölle. Den Abschluss bildet ´Agash Daeva´, was eine textliche Anrufung dieser Drug ist.“


Ui, das liest sich nicht nur interessant, sondern zeugt von einigem Hirnschmalz beim Texten, was mich wirklich freut. Simpel gestrickte Satans- Tod- und Teufel Texte brauch doch außer der Necro oder der Old School Fraktion ohnehin niemand… Überleitend von den nicht wirklich artigen Texten zur Musik selbst: Wer hat euch überhaupt diese infernalische Produktion verpasst? Wie lange hat das Aufnehmen gedauert?


Das war Andy Schmidt von Disillusion. Er hat hier in Leipzig ein Studio, welches wir für 17 Tage besetzt haben. Das war wesentlich länger als für jedes andere Album von uns.


Benutzt ihr Trigger oder Pro Tools? Was haltet ihr von modernen Soundspielereien, die viele Bands derzeit anwenden?


Ja. Bei dem Drumtempo würden die einzelnen Anschläge der Bass Drum vollkommen untergehen. Also triggern wir sie. Es ist vollkommen in Ordnung, auch wenn andere Bands es vielleicht nicht so sehen.


Und was haltet ihr von modernen Trends a´la Metalcore?


Nichts.


Klare Ansage, ha ha. Was denkt ihr denn über die Vermischung von politischen Inhalten und Musik im Allgemeinen sowie Black Metal im Speziellen? Derzeit „genießt“ diese Metal Sparte ja auch leider einige negative Schlagzeilen (zum Teil zu Recht, zum Teil haltlos), gespickt von Vorwürfen, die so manche Band ins braune Licht rücken.


Für uns hat Black Metal nichts mit politischen Einflüssen zu tun, sondern okkulten und satanischen Elementen. Ich gebe allerdings zu, dass bestimmte Charakteristiken satanischer Interpretationen Parallelen zu ideologischen Ansätzen aufweisen. Momentan ist jedoch eine merkwürdige Hexenjagd im Gange, die NSBM einen enormen Aufschwung verpasst haben. Ein Aufschwung, der nichts mit der Qualität der Musik zu tun hat, jedoch mit dem Bewusstsein, etwas Provokantes oder vielleicht Verbotenes zu machen. Ich denke auch, dass das kein neues Phänomen ist. Schon immer hat Musik die Gesellschaft reflektiert. Nationalbewusstsein bei Wagner, Sozialismus und Liedgut ebensolcher Gesellschaften. Wirklich einflussreich wird so etwas dann, wenn die breite Masse entsprechenden Zugang zu den jeweiligen Informationen bekommt. Halt ein Effekt unserer Medienlandschaft, auch Terrorismus wirkt verstärkt schockierend, weil er öffentlich visualisiert werden kann. Aber das ganze führt hier sicher zu weit.


OK, lassen wir es dabei! Anderes Thema: Wie waren denn die bisherigen Reaktionen auf euer neues Album? Können wir eine Tour erwarten? Wie sähe denn euer Traum-Tourpackage aus?


Bis auf ein paar Ausnahmen waren die Reaktionen positiv. Viele waren überrascht und hätten ein solches Album nicht erwartet. Wir hoffen wirklich, dass wir das Album auch mit einer Tour promoten können, jedoch sind wir alle arbeitstätig, was die Planung immer etwas kompliziert macht. Unser Traumtourpackage? Mhm, gehen wir doch mal die Band durch. Baddy würde Aeternus, Enthroned, Otargos und Setherial bevorzugen. Für Recke wären Enthroned und Belphegor passend, was auch für mich zutrifft (vielleicht noch Naglfar mit Jens hinzu). Tja, und Basti ist recht pragmatisch. Bei ihm wären es Slipknot oder Dimmu Borgir, da er gerne mal vor 3000 Leuten spielen würde. Und um ehrlich zu sein, wir anderen würden wohl auch ohne zu zögern mitfahren.


Ihr spielt offensichtlich gerne live? Gibt es da in Deutschland merkliche regionale Unterschiede wie die Leute eure Musik aufnehmen?


Wir spielen gerne live. Du hast nirgendwo sonst die Chance, direkte Reaktionen auf deine Musik zu bekommen. Diese können logischerweise unterschiedlich ausfallen. Allerdings glaube ich nicht, dass es regionale Unterschiede gibt.


Wo seht ihr Grabak in weiteren 12 Jahren? Ist euch die Musik so weit in Fleisch und Blut und Lebenskonzept übergegangen, dass ihr das noch viele Jahre machen könntet oder wollt?


Wenn wir das ganze körperlich noch können, warum denn nicht? Musik ist für alle von uns ein ganz wichtiges Element im Leben und ich gehe wirklich davon aus, dass jedem in der Band etwas fehlen würde.


Was arbeitet man denn als eine der extremsten und schnellsten Black Metal Bands Deutschlands im regulären Leben? Oder ist diese Frage zu „untrue“? Viele Bands geben sich ja reichlich Mühe um mit Pseudonymen und aggressiven, verstörenden Interviews ein extremes Image aufzubauen. (Ich könnte da einiges aus dem Nähkästchen erzählen…) Wie wichtig ist euch „Image“? Immerhin gebt ihr auf eurer Seite die richtigen Namen der Bandmitglieder an…


Die Namen haben wir schon immer angegeben. Ich wüsste keinen Grund, warum wir uns jeweils ein Pseudonym verpassen sollten. Wir sind Individuen, Persönlichkeiten und stehen zu unseren Namen. Ich denke, wir haben kein wirklich extremes Image. Natürlich ist uns sehr wohl bewusst, dass viele Bands sich durch ein solches besser verkaufen und das ganze ein Teil der Marketingstrategie ist. Bei Grabak hat sich das mit der Zeit auch gewandelt. Früher haben wir bei unseren Shows Blut, Feuer, Schädel und anderen Utensilien verwendet. Wir haben auch schon Priestern auf der Bühne die Kehle durchtrennt, toller Effekt ganz ehrlich. Aber inzwischen hat sich die Ausdrucksform des Extremen gewandelt. Heute ist die Musik das Extrem, eine Musik die zwar noch immer mit Nieten, Corpsepaint und Blut begleitet wird, jedoch hauptsächlich durch musikalische Stilistik wirkt. Wir sind älter und jeder für sich entscheidet, wie extrem er tatsächlich ist oder denkt. Heute wird eh viel zu exhibitionistisch mit dem eigenen Glauben hantiert. Und das Gegenüber giert voyeuristisch danach. Ich stehe dazu, dass Gedanken, Emotionen und Glaube persönliche Dinge sind, die sich tief im Inneren manifestieren und nicht massenwirksam präsentiert werden müssen. Aber ich schweife ab. Kommen wir zu den Berufen… Recke ist Metaller oder besser Fachmann für CNC Verfahren. Basti arbeitet im Helheim Leipzig, der Metal Kneipe in Leipzig. Baddy ist in einer Ausstattungsfirma für Filmproduktionen tätig. Gabor hat Energie- und Umwelttechnik studiert und ist nun bei der GASAG Berlin. Ich habe auch studiert und jetzt eine eigene Firma BizArt Leipzig.


Ein paar abschließende kurze Statements zu:

     

    1. DarkThrone – früher Kult
    2. Lords of Chaos – Buch, dass sicher seine Berechtigung hat
    3. Ablaze – der Peter… soll das nicht wieder neu aufgelegt werden?
    4. Party San Open Air – inzwischen zu groß für meinen Geschmack
    5. Black Blood Records / Einheit Produktionen – unser Label, coole Jungs und oft alkoholisiert, aber absolut fähig
    6. Underground - …


Wir haben es geschafft! Ich hoffe, meine Fragen waren euch nicht zu blöd? Ansonsten: bis bald!


Die Fragen waren nicht zu blöd und wir sehen uns sicher mal. Und wenn auch nur im frisch renovierten EFH.


Woher zur Hölle weiß der das??


I

Interview, Story und Artikel: Dirk Wettlaufer, 17.11.2007



Interview Lords of Metal September 2007


file under Black metal


Even though Grabak is around for eight years, there are still a lot of people that are not familiar with this band. As you can read in my review of their new album 'Agash Daeva' I am convinced though that this all soon will chagne and that our neighbours from the East will gain quite some attention with their new album. Singer Jan speaks out on behalf of Grabak.


Text: Dronckaert


Good day to you. I would like to congratulate you with 'Agash Daeva'! How did you guys experience the recording of this album?

First of all thanks for your review. We really appreciate it. Well, this time the recording session took more than two weeks. That's twice as long as we needed for our former releases. It was about ten days of recording and some more days to mix and master it appropriately. However, we really enjoyed the time we had, because it's like living in a music box. All thoughts and feelings dealt with music and the things around that piece of art we gave birth. Andy Schmidt is an awesome producer. His experience gave us time and space to stretch our musical limits and the result you can listen to. Just to sum up, it was really cool to record more or less free of stress.


It actually reminds me a lot of 'De Mysteriis Dom Sathanas', especially the track 'Homo Diabolus' gave me the same feeling, don't you agree?

Wow, it's the first time someone comes up with that comparison. It honours our work in some way. Let me think about it. Ok, I would agree if you compare mood and song structures. For me the Mayhem album stands for a very cold but intense kind of Black Metal.


To me this is the best work you delivered so far, and I am quite fond of the production of this album, but as you can read in the July 2007 edition of LoM I thought the drums to be too loud in the mix, what is your opinion on that?

You are right the drums are slightly dominantâ€| But hey, would the record be the same without that sound wall. I don't think so. However, let me explain. When we fired our last drummer we got the chance to create a really extreme kind of music. Our new drummer really blasts forward and we thought to stress this feature a little bit at least in terms of sound. I agree with you that at some parts on Agash Daeva the drums very much come to the fore. We have had three or four mixed versions and finally we had to decide which one is balanced best - concerning drums, guitars, basses and vocals.


I noticed that you have a bass and a distorted bass player in your line-up, something you do not see very often, how did you come up with that idea?

Actually, there is nothing special about the story. We use both basses it two totally different ways. One is without any distortion. This bass is responsible for the rhythm and to support the drum lines. Our second bass is used more as a guitar. Its sound is very much distorted and the riffs are structurally guitar based. Recke, the man behind that bass started as "clean" bass player many years ago. In one of his previous bands he played bass and had to take over the second guitar player's job when that guy quitted his job. So Recke started to distort the sound and his new role as guitar player was perfect. Over the years he improved his skills.


The artwork of 'Agash Daeva' looks great, who made it and what is the story behind the artwork?

The cover picture was made by a young Austrian artist called Andreas Marcher. When we came across the idea to entitle the album "Agash Daeva" we really looked for a very unique picture. As you might know "Agash is an old Persian demoness who is responsible for diseases, decay and death caused by the evil eye. Well, the lady in front of our album is our association with Agash or better our concept of her. You can find both, a morbid fascination and a disgusting view, respectively. Even her gesture is duality - fear and aggression. All in all, the entire picture is a perfect reflection of the Zoroastrian demon. We decided to make even the band pictures fit into that concept. Insofar we had to edit the original photos and to add some wounds and diseases. That's what you can find in the booklet.


Now a totally different question, what do you think about the so called "bedroom black metal bands"? One-man projects seem to pop up everywhere nowadays, and most of them suck big time. For some reason people think that when they start a black metal project it does not matter if they can play or notâ€|

I never heard of that term "bedroom black metal bands" but I know what you mean. This phenomenon is nothing new. You might remember Golden Dawn, Falkenbach or even Judas Iscariot. Its absolutely fine when they really use their time to create superb sorts of Black Metal. Unfortunately, some of them will never perform in front of an audience. Ok, some might use some session guests but I prefer a band based unit. We are musicians who want to perform live on stage. Nowhere else you can see the immediate reaction to your art. To be honest, I need the adrenalin kick in front of a banging crowd. But I totally agree that some projects lack on musical skills and ideas.


As easy as it is starting a black metal band/project nowadays, how did you experience the forming of Grabak back in 1995? Could you tell the people something about that?

Well, actually we united two bands. Members of Hecatomb and FFF founded Grabak. How did we experience it? To be honest, it was a really fascinating time. Many bands were unique in sound and mind. They all created this attitude of being real black art and we wanted to become a part of this world.


What bands drove you into making black metal anyway? Who are you musical heroes?

Each of us has his own musical heroes of course. I know that Recke started with thrash bands like Sodom, Destruction or Rigor Mortis (the old one). My roots are in W.A.S.P. and such shock rock bands. Wow, I was about twelve or something. Anyway, over the time we came in touch with death and black metal bands of the so called 2nd wave. Scandinavian bands like Emperor, Marduk and Immortal really inspired us, indeed. Still today they are our very faves - at least their older work. Basti prefers to listen to Death Metal based bands like Morbid Angel, Immolation, Nile or Hate Eternal.


I am glad that there are still bands around that know what black metal is about, to me Grabak is one of them. What bands do you consider to be some of the better ones around?

Thanks a lot. You are absolutely right, for us it's really important to create black metal in the mood of Satanic Art - musically and lyrically. There are some bands like Enthroned, Lunar Aurora, Behemoth or Profundi who I personally prefer.


What are your thoughts about the black 'n roll and punk hype in black metal? Do you think it is healthy to incorporate such influences in this kind of music? Or does it undermine the essence of black metal?

No, in my eyes this contamination totally sucks. You might name it personal intolerance or defence or purity in black metal, I don't like the developments in our scene. For me it is absolutely fine, when bands express their black mind with the help of synths or symphonic elements - as long as the underlying mood is black. In terms of a punk attitude within the essence of black metal I will never agree with.


That is about it, good luck in the future with Grabak! Any last words?

Thank you once again for the chance to tell about Grabak. Perhaps one day we gonna perform in the Netherlands and we meet.


www.grabak.de



Interview The Pit Magazin


Erst einmal möchte ich euch zu dieser überaus bestialischen und geilen Scheibe beglückwünschen. „Agash Daeva“ hat meine Wände zum Wackeln gebracht. Wie sah der Entstehungsprozess aus und ist der Silberling genau das geworden, was ihr erhofft hattet?


Auffallend sind natürlich eure zwei Bassisten. Wie kommt es, dass sich einer jetzt nach so vielen Jahren verabschiedet hat? Könntet ihr euch auch vorstellen vielleicht eine zweite Gitarre dazuzuholen?


Ich gehe davon aus, dass irgendwann jeder irgendwann vor der Frage steht, wie es weiter geht. Gabor hat sich nun entschieden, nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Er hat Familie und wohnt in Berlin. Das wirkt sich natürlich auch auf die Probenarbeit und die entsprechend musikalisch genutzte Zeit aus. Das heißt für uns im Klartext, dass wir einen Bassisten ersetzen müssen, der schon sehr lange Teil der Band war. Das ist sicher nicht ganz einfach. Andererseits ist es nicht unsere Absicht, ihm einen Schrein zu bauen und damit alle möglichen Nachfolger abzuschrecken. Letztlich suchen wir einen versierten Bassspieler, der auch vor unkonventionellen Dingen nicht zurückschreckt. Gabor hat seinen Bass unverzerrt gespielt. Recke ist am verzerrten bass ohnehin unersetzbar. Daher erübrigt sich die Frage nach einem zweiten Gitarristen. Den haben wir nämlich schon, nur halt mit zwei Saiten weniger auf dem Griffbrett.


Menschen ändern sich, Musikstile ändern sich. Lässt sich von der harscheren, aber detailreicheren Mucke heute eine Brücke zu euren Persönlichkeiten schlagen und wie diese sich verändert haben?


Ich denke schon, dass wir uns auch verändert haben. Detailreich waren wir schon immer, jedoch hat der Härtegrad enorm zugenommen. Da hast Du vollkommen Recht. Vielleicht hat das auch unsere Einstellung zu anderen Arten von Black Metal verändert. Ich ertappe mich selber immer mal wieder, recht intolerant geworden zu sein, was die Umsetzung unserer Musikrichtung betrifft. Ich habe letzten eine Kritik über uns gelesen, da schrieb der Redakteur aus Italien: „ Moderner Black Metal sollte auf Synthesizer und Frauenstimme setzen…“ Ich denke eher, das sind Elemente der 90er Jahre. Black Metal im Jahre 2007 sollte absolut hasserfüllt und alles niederwalzend sein. Und mit diesen Augen sehen wir auch die Erscheinungen der anderen Bands.


Die Texte haben, wie ich finde, doch eher den Charakter der alten Schule. Woher stammen die Einflüsse für die Lyrik und was wird von euch mit ihr verbunden?


Ich verwende Themen aus Mystik, Mythologie und Dämonologie. Allerdings scheue ich mich auch nicht, Milton oder Dante als Inspiration hinzuzuziehen. Mir sind die Texte sehr wichtig, da sie zum Teil meine eigenen inneren Gedanken reflektieren. Zum anderen hoffe ich regelmäßig, dass die Lyrics den Leser zu eigenen Interpretationen anregen. Oftmals jedoch nur ein Wunschdenken, wie ich weiß.


Als Band welcher Größenordnung seht ihr euch mittlerweile? Würdest du zustimmen, wenn man Grabak als einen der Stützpfeiler des deutschen Black Metals bezeichnet?


Das ist wirklich schwer zu sagen, sicherlich sind wir mit unserem Bestehen eine der dienstältesten Bands, jedoch kann man das sicher nicht auf den Bekanntheitsgrad übertragen. Häufig kommen Fans zum ersten Mal mit uns in Kontakt und wundern sich dann, dass wir schon ein paar Alben veröffentlicht haben. Allerdings gefällt mir der Gedanke, Stützpfeiler zu sein, da wir unsere Musik immer unter dem Black Metal Banner geschrieben haben und auch mit Leib dazu stehen. Wenn Du unbedingt einen Größenvergleich anstrebst, dann würde ich auf mittleren Status plädieren.


In welchem Kontakt steht ihr mit euren Fans? Bekommt ihr häufig Feedback aus den Reihen ebenjener oder beschränkt sich das auf die bemusterte Presse?


Wir haben häufig Kontakt zu den Fans. Die bemusterte Presse stellt da nur einen Ausschnitt dar. Wir stellen uns den Leuten gerne und auch auf der Bühne suchen wir den Kontakt, da du nur dort nahezu direkte Reaktionen auf deine Musik bekommst.


Die letzten Jahre waren konzerttechnisch nicht ganz so erfreulich für eure Fans. Ändert sich das in naher Zukunft? Nachdem ihr euch mit „Agash Daeva“ wieder in so einige Köpfe gespielt habt, sollte da draußen eigentlich eine Menge hungriger Leute auf euch warten.


Hoffen wir es mal. Wir spielen, wie eben erwähnt gerne live und würden das auch viel öfter tun, nur leider hängt das meistens von ein paar externen Faktoren ab. Ich gebe Dir allerdings vollkommen Recht. Nach vier Jahren mussten wir uns wirklich erstmal wieder in die Köpfe spielen, da gerade in der heutigen Zeit ein ungeheuer schnelllebiges Musikgeschäft and der Tagesordnung ist. Ich denke aber, dass uns das diesmal gut gelungen ist und es werden ganz sicher noch einige Gigs folgen.


Was hatte es mit der Änderung eures Logos auf sich?


Ist es aufgefallen… Nun ja, wir hatten das alte Logo seit 1995 und wir waren der Meinung, dass es nicht mehr zu unserer Musik passte. Wir haben unsere Stilistik immens verändert und das sollte sich auch optisch manifestieren. Also haben wir Christophe Szpajdel um ein Logo gebeten, welchem wir im Nachgang noch unseren eigenen Stempel aufgedrückt haben.


Eine weitere Frage, die eure Vergangenheit betrifft: Euer Biografie ist zu entnehmen, dass ihr heutzutage eher negativ auf die Vermarktung eurer ersten Demo zurückblickt. Woran liegt das?


Was heißt Vermarktung, wir haben es lediglich an das Ablaze geschickt und nicht an weitere Magazine oder gar irgendwelche Label. Vielleicht wären wir in der vorhin angesprochenen Größenordnung ein Stück weiter oben…


Wieder zurück die ermüdende Gegenwart: Wie siehst du die immer offensichtlichere Übervermarktung des Objektes Metal? Haben Festivals wie zum Beispiel das Wacken Open Air noch Wert und Seele für dich oder hatten es jemals?


Besonders erschrocken war ich, als ich Dimmu Borgir als „Bullet of the Week“ bei RTL2 gesehen habe. Auf der einen Seite muss ich Markus wirklich zugestehen, dass er mit Nuclear Blast eine ungeheure Maschinerie aufgebaut hat, die einen aus geschäftlicher Perspektive wirklich neidisch werden lässt, auf der anderen Seite bedeutete das den endgültigen Ausverkauf des Black Metal – ob man DB nun noch dazu zählt oder nicht. Was Festivals betrifft kann ich nur sagen, dass ich absolut kein Freund dieser Massenveranstaltungen bin. Ich ziehe ein kleines Konzert mit drei Bands jederzeit vor. Ob als Zuschauer oder als Musiker. Ich höre und sehe mir die Bands gerne genau an, doch nach 6 Bands hintereinander habe ich die Schnauze voll. Ich kann mich hier also als Festivalmuffel outen, ich war noch nie in Wacken oder Bad Berka. Das ist einfach nicht für mich.


Für einige ist es eine Lebenseinstellung, für manche nur Musik. Was genau bedeutet „Black Metal“ für dich?


Für mich ist es Lebenseinstellung. Musik, besonders die eigene, ist nur der perfekte Spiegel. Wie ich schon erwähnte, die Texte sind die jeweiligen Reflexionen dieser Gedankenwelt und Überzeugungen.


Damit bedanke ich mich recht herzlich für das knackige Interview. Ich wünsche euch alles Gute und hoffe euch, in nicht allzu ferne Zukunft einmal live betrachten zu dürfen. Cheers!


Gern geschehen. Und wenn es sich ergibt, werden wir auch in deiner Nähe spielen, wo auch immer das ist…



Interview Nocturnal Hall August 2007


http://www.grabak.de/
http://www.myspace.com/grabak


Q: Sebastian Witt 7/2007 © http://nocturnalhall.com/
A:


Mit GRABAK hat eine der mit 15 Jahren Präsenz dienstältesten Black Metal Bands der Republik, nach langem Warten mit Agash Daeva kürzlich ein neues, hervorragendes Album veröffentlicht. Ein Grund, sich einmal näher mit der Truppe auseinanderzusetzen!


Seb: Hallo und erst einmal herzlichen Glückwunsch erst einmal zu eurem neuen Werk Agash Daeva!


Hallo. Freut uns, wenn’s gefällt.


Seb: Während ich an diesem kleinen Interview bastelte, habt ihr bekannt gegeben, dass Bassist Gabor nach 12 Jahren sozusagen Schritt für Schritt die Band verlassen wird. Könnt ihr euch schon vorstellen, ein so lang gedientes Mitglied zu ersetzen?


Im Grunde hat Gabor diese Entscheidung nach langer Überlegung selbst getroffen. Nach dem Studioaufenthalt hat er für sich festgelegt, dass er Grabak nichts mehr geben könne. Man muss allerdings dazusagen, dass er vor geraumer Zeit nach Berlin gezogen ist und sich dadurch die Proben recht schwierig gestaltet haben. Letztlich muss jeder für sich entscheiden, ob der Zeitpunkt gekommen ist, aufzuhören.


Seb: Wo man heutzutage meist von nordisch/germanisch inspirierten Albentiteln „überrannt“ wird, habt ihr euch mit Agash Daeva thematisch zum Teil einem ganz anderen, orientalischen, Kulturkreis zugewandt. Erklärt doch einmal kurz, was es mit Albumtitel und Inhalt auf sich hat.


Du hast Recht, „Agash „Daeva“ ist tatsächlich orientalisch, genauer altpersisch, geprägt. Daevas sind in der persischen Mythologie und im Zoroastrismus gefallen Engel oder auch Dämonen.
Agash ist eine der sieben druis, weibliche Dämonen, die zur Gruppe der Daevas gehören und Ahriman dienen. Wörtlich übersetzt bedeutet ihr Name „der böse Blick“ und zeichnet sich verantwortlich für Krankheit, Übel und Verderben. Dieses Motiv haben wir versucht auch optisch umzusetzen. Seb: Neben den angesprochenen mythologisch-orientalischen Inhalten geht es auch noch zu einem nicht unbedeutenden Teil um biblische/neutestamentarische Themen.


Wie lässt sich so etwas kombinieren, bzw. wie kommt man denn auf so was?


Unser Anteil an biblischen Themen ist in der Tat nicht ganz unbedeutend. Inhaltlich kommen jedoch nur die exemplarischen Widersacher zu Wort und Handlung. Wir haben mit Judas einen der berühmtesten Verräter, der zugegebenermaßen verführt, einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Lebensgeschichte des Nazareners hatte. Ansonsten bekommt der große Verführer ziemlich oft selbst die Rolle des Protagonisten. Mir gefällt es einfach die alten Geschichten zu nehmen und sie aus einer blasphemischen Perspektive zu erzählen. Das eine oder andere Element hinzu und schon ist es nicht mehr die gelackte biographische Leidensfabel.


Seb: Abgesehen von euerem Namen, spielt bei GRABAK ein Bezug auf nordische Mythologie und/oder sonstigen heidnisch-germanischen Kram praktisch keine Rolle. Interessiert euch das schlicht nicht (mehr), wollt ihr euch damit unter anderem auch von der Masse der heutigen BM-Flut abheben?


Wir haben ganz zu Beginn unserer Karriere mal Themen der Edda verwendet. Ich glaube, es gab jedoch nur zwei oder drei Songs, die so ausgerichtet waren. „Walküren“ auf dem Debüt und noch weit vorher gab es mal ein Stück namens Ragnarök. Mich hat es schlicht NIE interessiert. Und da ich seit meinem Einstieg zu nahezu 100% textverantwortlich bin, entstammen einfach keine nordisch-germanisch geprägten Texte meinem Hirn. Dann doch lieber okkulte oder dämonologisch gefärbte Lyrics, die einen Schuss Ironie zulassen. Dem ganzen Pagan oder Neo-Folk von heute können wir ohnehin nicht allzu sehr viel abgewinnen. „Heidnisches“ Liedgut auf traditionellen Instrumenten, wie Gitarren und Bässen von B.C. Rich….


Seb: Ihr habt für das neue Album stolze vier Jahre gebraucht. Hat das Songwriting oder der inhaltliche Teil davon die meiste Zeit verschlungen? Und wie geht bei euch die Geburt eines neuen Albums generell vonstatten?


Immer schön Salz in die Wunde. Ja, es hat verdammt lange gedauert, aber man muss dazu sagen, dass es eher personelle Hintergründe hatte. Nach unserem letzten Album haben wir ein ganzes Jahr lang keine neuen Songs geschrieben. Wir waren einerseits irgendwie leer und andererseits konnten wir auch nicht wirklich gut proben, da unser damaliger Drummer kaum noch die Chance hatte, hinter sein Werkzeug zu steigen. Auch mit seiner Motivation sah es nicht gut aus, so dass wir uns, wie man so schön sagt, in gegenseitigem Einvernehmen getrennt. Basti ist dann eingestiegen und wir haben in 2 Jahren die elf Songs fertig gestellt, Konzerte gespielt und eine neue Firma gefunden. Das war der nächste Grund. Unser Vertrag mit CCP lief bis Juli 2006. Danach haben wir uns nach neuen Partnern umgesehen, diesen in Black BlooD gefunden. Dann dauert der organisatorische Teil noch einige Zeit und schon sind es vier Jahre…
Geburt ist eine nette Umschreibung, denn ein Krampf ist es oftmals auch. Naja, wir arrangieren die Songs häufig im Proberaum. Einer der Saitenquäler bringt seine Ideen mit und dann wird es gemeinsam umgesetzt oder halt nicht. Während des Entstehungsprozesses kommen Texte und Drums dazu, bis es für uns danach klingt, dass der Songs fertig ist. Und das kann auch mal Monate dauern. Am Ende hast du viele Songs und willst sie alle auf einer Scheibe unterbringen. Du gehst ins Studio, nimmst sie auf und überlegst Dir die Reihenfolge der Stücke. Wenn Du einen guten Produzenten hast, nimmt er dezent Einfluss und alles wird gut. Du bekommst gute Reaktionen, verkaufst jede Menge Alben und wirst reich. Oder so ähnlich.


Seb: Seit im Jahr 2000 liegenden Line-Up-Problemen und dem damit verbundenen Wegfall des Keyboards aus eurer Musik habe ich den Eindruck, dass GRABAK musikalisch immer mehr auf Gewalt und Geschwindigkeit setzen. Was hat euch dazu bewogen, allmählich immer straighter und härter zu spielen?


Ich denke, das hat sich einfach mit den spielerischen Fähigkeiten ergeben. Wir konnten eigentlich immer schneller, hatten aber wohl eine Schlagzeugbremse. Aber schnell ist ja auch nicht immer analog zu hart. Gibt viele Bands, die nicht so schell sind, aber eine ungeheure Energie auf das Album bannen. Basti ist jedoch ein extremer Drummer, zwar noch jung, aber schon sehr gut. Und irgendwie passt es auch zu unserer Musik. Eine wirklich gute Mischung würde ich sagen.


Seb: Auffallend ist, dass sich im Vergleich zu den früheren Werken neben klasse Black Metal Strukturen vor allem beim Drumming ein guter Schuss Death Metal in euren Stil gemischt hat. War das Absicht, oder war euer neuer Drummer es einfach noch gewohnt so zu spielen und sozusagen der Grund für diese Umorientierung?


Es stört uns nicht, dass sich der Drumming Stil nach Death Metal anhört. Viele heutige Bands nutzen die Form doch auch. Aber es stimmt schon, letztlich war er der Grund, obwohl wir schon vorher gerne mehr Blast Beat genutzt hätten. Jetzt haben wir halt unsere Nische gefunden und spielen einfach ziemliche schnellen Black Metal.


Seb: Habt ihr vor, das aktuelle Album im Hinblick auf die Entwicklung in Sachen Härte irgendwann noch zu toppen? Und wenn ja, wie wollt ihr das anstellen?


Das wird wohl eher schwer. Schneller ginge es sicher noch, das hört man ja auch live, nur irgendwann verlieren sich die Riffs im Geschwindigkeitsrausch und Du kannst sie nicht mehr vernünftig auflösen. Das kannst Du dann damit vergleichen, mit einem Motorrad bei 200km/h auf einer 5cm dünnen Linie Slalom fahren zu wollen. Ich denke, wir werden sehen, was sich so ergibt. Die Stilistik wird sich jedenfalls nicht so schnell noch mal so dramatisch ändern.


Seb: Trotz der gesteigerten Härte merkt man auch noch auf Agash Daeva, dass ihr euch nach wie vor nicht scheut, auch Einflüsse aus anderen metallischen Spielarten zu verarbeiten, oder gar Inspiration aus ganz abseits davon liegender Quelle zu schöpfen. Woher bezieht ihr nach eigenem Empfinden die meisten Anregungen für euren Stil (wenn man mal von den üblichen Verdächtigen aus dem nordischen BM absieht)?


Ich würde sagen, aus Thrash und Death. Manche Riffs kommen auch aus dem Heavy Bereich. Unser persönliches Hörspektrum ist ziemlich breit, so dass sich immer Inspirationen finden lassen.


Seb: Neben eurem Labelwechsel von CCP zu Black Blood Records und Einheit Produktionen habt ihr natürlich nicht mehr in deren Studios, sondern quasi „vor der Haustür“ im Studio von Disillusion Mastermind Andy aufgenommen. Vergleicht man das neue Album mit seinen Vorgängern, hat sich der Sound meines Erachtens auch deutlich verbessert. Seht ihr das auch so, und welchen Anteil daran würdet ihr den veränderten Produktionsbedingungen zugestehen?


Ich stimme die 100% zu. Es ist jedoch ein Mix aus verschiedenen Faktoren, der sich für den Klangunterschied verantwortlich zeichnet. Faktor Zeit. Wir haben diesmal 17 Tage Studioarbeit hinter uns, kein Vergleich zu Disillusion mit 30 Monaten, aber doch länger als je mit Grabak. In Linz waren wir meist fünf Tage aufnehmen und haben zwei Tage abgemischt. Diesmal haben wir zehn Tage aufgenommen und sieben sind für mischen und mastern draufgegangen. Faktor Technik. Wir haben andere Amps benutzt als vorher. Auch das Schlagzeug war etwas stärker bestückt.
Faktor Studio. Naja, ich sag mal so. Es ist vor unserer Haustür, da kannst Du mal sagen: „Schluss, ich brauche ne Auszeit und fahre nach Hause.“ Von Linz aus ist das schwierig. Die Studiotechnik spielt eher keine Rolle, man kann aus allem etwas zaubern. Faktor Produzent. In unserem Falle eine enormer Zugewinn. Andy ist wirklich ein genialer Einflussfaktor. Er hat seine Ideen und Vorstellungen mit eingebracht und damit die ganze Sache „abgerundet“. Er spielt halt selber aktiv Musik und verbringt wohl irgendwie sein Leben fest mit der Sache verwachsen. Wenn es nach uns geht, jeder zeit wieder ins KickTheFlame.


Seb: Nicht nur das Soundstudio hat sich mit dem neuen Label-Deal geändert, ihr werdet ihr ja nun fast zwangsläufig einem größeren Publikum bekannter werden. Wird sich das merklich auf Tour- und sonstige Konzertaktivitäten auswirken? Wir man euch (hoffentlich) auch bald mal im Ruhrgebiet bewundern dürfen?


Wieso werden wir zwangsläufig bekannter? Momentan ist es ein ziemliches Stück Arbeit und Schreibaufwand seitens des Labels, uns nach vier Jahren wieder zu promoten. Gut, die Scheibe bekommt erstaunlich viele gute Kritiken, jedoch ist das heutzutage kaum noch ausreichend, flächendeckender bekannt zu werden. Konzerte sind da eine gute Variante, wir haben auch schon mehr Shows gespielt in diesem Jahr aber es könnten auch noch mehr Gigs sein. Sicher werden wir auch mal touren, aber da wir alle arbeiten gehen bzw. ich eine eigene Firma habe, müssen wir das zeitlich gut abstimmen. Das hängt jedoch von ein paar externen Dingen ab.
Wir spielen im Dezember diesem Jahres auf der Satans Convention in Werl und das ist ja nicht so weit weg vom Pott.


Seb: So, dann wäre ich mal so am Ende mit meinen Fragen. Dankeschön für geopferte Zeit und Mühe und zum Schluss könnt ihr noch alles loswerden, was noch gesagt werden sollte ;)


Alles klar. Der Dank ist auf unserer Seite und vielleicht trifft man sich ja mal im Ruhrgebiet.



Interview Legacy August 2007


Satte vier Jahre hat es gedauert, bis die deutschen GRABAK mit „Agash Daeva“, ihrem mittlerweile vierten Album, zum Angriff blasen. Das Legacy betrieb bei Sänger Jan Klepel Ursachenforschung.


„Nun ja, im Endeffekt hat das verschiedene Gründe. Fangen wir damit an, dass wir nach der Veröffentlichung unseres letzten Albums fast ein Jahr keine neuen Songs geschrieben haben. Das lag zum großen Teil daran, dass sich unser damaliger Schlagzeuger aus familiären und beruflichen Gründen sukzessiv von der Band zurückgezogen hat, so dass wir Anfang 2005 einen neuen Drummer verpflichten mussten. Durch diesen sind viele neue Einflüsse und Stilistiken in die Songs gekommen. Wir konnten letztlich mehr ausprobieren und die Musik wesentlich abwechslungsreicher gestalten. Das heißt also, dass der eigentliche Schreibprozess erst 2005 begann, und damit sind wir wieder im Zwei-Jahres-Rhythmus, denn man muss ja noch den kompletten Aufnahmeprozess und die Laufzeiten bei Presswerk, Vertrieb und Presse abziehen. Wenn man sich allerdings das Ergebnis anhört, war es aus meiner Sicht gut, dass vier Jahre verstrichen sind.“


Im Vergleich zu den Vorgängerwerken habe ich den Eindruck, dass das neue Album – wenn auch kompromisslos erneut im Highspeed-Bereich gebrettert wird – dennoch einen kleinen Tacken melodischer ausgefallen ist. Da kann Jan hingegen nicht zustimmen.


„Ich glaube nicht, dass wir wirklich melodischer geworden sind, zumindest nicht im direkten Vergleich zu den Vorgängeralben. Vielmehr sind die einzelnen Songs in sich besser strukturiert und nicht mehr ganz so verworren wie bisher. Vielleicht macht sie das etwas eingängiger.“


Wobei man beim Songwriting hauptsächlich Instinkttäter ist – das Ergebnis gibt ihnen Recht.


„Wir planen nicht wirklich, wie neues Material zu klingen hat. Wie schon erwähnt, das ergibt sich einfach aus dem Entwicklungsprozess. Was heißen soll, dass unsere Saitenfraktion mit Ideen und Vorstellungen kommt, die dann bandintern umgesetzt oder verändert werden. Das sind anfängliche Riffs und Melodiebögen, die intuitiv entstanden, dazu gesellt sich dann – sehr wohl geplant – die jeweils passende oder gegenläufige Gitarrenspur. Der gesamte Song wird dann je nach Hörgefühl und Textlänge durchstrukturiert.“


Doch in den vier Jahren hat sich nicht nur in puncto Songwriting, sondern auch Label-technisch einiges getan, so sind GRABAK mittlerweile zu Einheit Produktionen gewechselt.


„Mitte 2006 lief unser Vertrag mit CCP aus. Wir haben drei Alben über die Österreicher veröffentlicht und haben unsere Erfahrungen gemacht. Für uns war es jedoch wichtig, einen Neuanfang zu machen. Soll heißen, neuer Drummer, neues Logo und etwas anderer Musikstil. Diesen Neuanfang wollten wir auch mit neuen Partnern umsetzen, und wir haben unser Demomaterial an verschiedene Label geschickt. Beweggründe, uns für Black Blood Records zu entscheiden, gab es im Endeffekt mehrere. Zum ersten ist BBR ein reines Black Metal-Label, ohne dass es zu stilistischen Durchmischungen mit Pagan oder Folk kommt. Durch Olafs Erfahrung und mit Einheit Produktionen im Rücken, können und wollen wir BBR gemeinsam mit dem Labelchef Björn in Deutschland nach vorne bringen, und ich denke, das ist bisher sehr gut gelungen. Und insofern können wir auch zufrieden sein.“


Dementsprechend motiviert zeigt man sich auch hinsichtlich der Planungen für die nächste Zeit.


„Die nahe Zukunft wird wohl hauptsächlich noch einige Konzerte und Festivals bringen. Ansonsten sind wir bereits am Schreiben von neuem Material, was dann aber sicher nicht erst in vier Jahren erscheinen wird.“


Doch zuerst kann man sich auf das aktuelle Album konzentrieren, dessen einzelne Texte Jan wie folgt kommentiert.


„Dann gehen wir mal der Reihenfolge nach durch. ´Beyond A Black Horizon´ – ein Text über einen Ort, der unwirklich und zerstörerisch für die dort befindlichen und täglich ankommenden Existenzen ist. ´Nightworks´beginnt als die textliche Umsetzung satanischer Rituale, endet jedoch letztlich nur als pure Vergewaltigung des entsprechenden Opfers. In ´Dominion´ ist die Versuchung des Nazareners durch Satan thematisiert. Anders als in der Bibel kann er am Kreuz durch Fleischeslust versucht werden, das heißt, er wäre bereit, sich dieser Versuchung hinzugeben, wenn nicht seine momentane Position und sein augenscheinlich androgynes Wesen ihn und den weiblichen Antagonisten daran hindern würden. ´Homo Diabolus´ – der Teufel in Menschengestalt oder vielmehr die Dämonen im eigenen Gehirn. Protagonist ist ein Kerkerinsasse, sowohl psychisch als auch physisch eingekerkert, der von seinen eigenen Schattenwelten gepeinigt wird. Körperlich nah am Verfall, jedoch unfähig, dem Ganzen ein wirkliches Ende zu setzen. In ´The Beauty...´ ist der Liebesakt einer fiktiven Person mit drei Gorgonen beschrieben, der zugegebenermaßen anfänglich Spaß machen dürfte, mit der Zeit jedoch einer steinernen Ruhe weicht. Thema in ´Judas´ ist der Verrat an Jesus aus Sicht des Iscariot, ohne dass er letztlich Reue zeigt, er ist stolz darauf, ein Nagel im Fleisch zu sein. ´Furia´ ist bei uns ein aus Blut geborener Dämon, der als personifizierte Rache sowohl Menschen als auch deren Erbe auslöscht. Sehr nah an den Mythen zu den Furien. ´Code 666´ ist die textliche Verhöhnung von Christus am Kreuz, ein wirklich blasphemischer Text… Nun, in ´Strigoi´, Wiedergänger aus karpatischen Erzählungen, habe ich zwei Strophen aus Lovecrafts „Nightgaunts“ 1:1 verwendet und zwei weitere hinzugefügt. Es handelt sich letztlich um wiederkehrende Albträume. Für ´Through The Ten Circles Of Hell´ stand mir Dantes „Inferno“ Pate. Jede Strophe beschreibt einen weiteren Kreis der Hölle. Ursprünglich sind es ja neun, mit dem gefallenen Luzifer und den Erzverrätern in der Mitte. Um jedoch einen noch schlimmeren Ort für den Sohn Gottes zu schaffen, haben wir noch einen weiteren Kreis eingefügt. Den Abschluss bildet ´Agash Daeva´, was eine textliche Anrufung dieser Drug ist.“


Stilistisch ist man dabei – dem Gehörnten sei Dank – seiner bisherigen Richtung treu geblieben. Dementsprechend zeigt sich Jan auch etwas gespalten, wenn man ihn nach Bands befragt, die von einer gleichbleibenden stilistischen Basis ihres Schaffens frappierend abrücken.


„Das leidige Thema… Ich will es mal so sagen: Wir haben Emperor dafür gehasst, dass sie sich nach „Anthems“ derart entwickelt haben. Ich denke, man hat immer bestimmte Erwartungen, die man an eine Band und ihr neues Material stellt. Oft ist es dann vielschichtiger, komplexer oder schlicht anders als erwartet, und das macht es dann schwer, der Band zu folgen. Während unseres Entwicklungsprozesses haben wir jedoch am eigenen Leib erfahren, dass sich musikalische Entwicklungen genauso schleichend ergeben wie persönliche. Und plötzlich spielst und bevorzugst Du einen anderen Musikstil als zuvor und es wird Dir bewusst, dass jede Band diesen Prozess durchmacht, es also eher vollkommen normal ist. Wir haben auch schon immer die verschiedenen Einflüsse kombiniert, nur diesmal offenbar besser. Und das macht vielleicht die Veränderung aus.“


Wer auf selbige gespannt ist, sollte sich einen virtuellen Ausflug auf unten genannte Website nicht versagen, auf der zwei Songs vom neuen Album zum Probehören bereitstehen.


Diana Glöckner


www.grabak.de


 

Interview für metal.de


GRABAK-Mailer made by Stendahl


Zunächst mal möchte ich euch sagen, dass ihr mit eurem neuen Album "Agash Daeva" ein knüppelhartes Brett auf die Menschheit loslasst. Aber lasst uns erst mal einen kleinen Rückblick in die Bandvergangenheit werfen. Wann genau habt ihr beschlossen, GRABAK zu gründen und was geschah bisher in eurer Bandgeschichte? Könnt ihr euch kurz vorstellen? Und könnt ihr kurz etwas zu den bisherigen Veröffentlichungen sagen?


Hallo erstmal, ich weiß gar nicht so genau, ob wir wirklich beschlossen haben, Grabak zu gründen oder ob es sich nicht eher so ergeben hat. Jedenfalls war das 1995 und wir legten damals zwei Bands zusammen, sprich diejenigen, die jeweils weitermachen wollten, haben sich letztlich in Grabak wiedergefunden. 1997 haben wir unser erstes und einziges Demo veröffentlicht, jedoch nicht wirklich gut promotet, na ja, aus fehlern lernt man. 1999 haben wir bei CCP Records unterschrieben und unser Debüt „Der Prophet des Chaos“ veröffentlicht. Ein eher experimentelles Konzeptalbum mit hörspielartigen Zwischensequenzen. Zwei Jahre später folgte „Encyclopaedia Infernalis“ ebenfalls auf CCP. Und schließlich 2003 das bis dato letzte Album „The Serpent within Paradise“. Ende 2006 unterschrieben wir bei Black Blood Records und haben nun das oben erwähnte Album „Agash Daeva“ auf den Markt gebracht.


Was bedeutet eigentlich der Bandname GRABAK? Wofür steht er? Und was bedeutet der Titel des neuen Albums "Agash Daeva"?


Grabak ist der Edda entlehnt. Dort ist Grabakr der Name der größten Schlange, die an den Wurzeln der Weltesche Yggdrasil in Unheil verrichten.
Daevas sind in der persischen Mythologie und im Zoroastrismus gefallen Engel oder auch Dämonen.
Agash ist eine der sieben druis, weibliche Dämonen, die zur Gruppe der Daevas gehören und Ahriman dienen. Wörtlich übersetzt bedeutet ihr Name „der böse Blick“ und zeichnet sich verantwortlich für Krankheit, Übel und Verderben.


Das "Agash Daeva"-Album war mein Einstieg in die Welt von GRABAK. Es ist ein harsches, hartes, treibendes, dabei jedoch mit einiger Wiedererkennbarkeit ausgestattetes Album geworden. Wo seht ihr die Unterschiede zu früheren Werken?


Nun ja, wir haben uns kompositorisch entwickelt. Die Songs sind einfach besser strukturiert und gehorchen nun eher musiktheoretischen Idealen. Wenn man im Black Metal von etwas derartigem sprechen möchte. Wesentlichster Unterschied ist dabei das Drumming. Wir haben uns 2005 von unserem langjährigen Schlagzeuger getrennt und ihn durch Basti ersetzt. Er hat ziemlich viele Death Metal Einflüsse in unsere Musik gebracht, die wir vorher einfach nicht umsetzen konnten.


Wie würdet ihr euren Stil definieren? Immerhin finden sich bei euch auch atmosphärische Zwischenspiele neben dem vorwärtstreibenden Drumming und den schmetternden Gitarren-Äxten.


Es ist wirklich schwer zu sagen. Wir können es selber kaum definieren, schließlich findet man neben klassischen Black Metal Elementen, viele Charakteristika aus Death, Thrash und Heavy Metal.


Das DARK FUNERAL-artige des Gesanges ist nicht nur mir aufgefallen. Allerdings seid ihr härter, gemeiner als unsere schwedischen Freunde. Und weniger auf Hall produziert. Liege ich da richtig bzw. gefällt euch diese Art des harschen Keifens?


Härter und gemeiner? Na wenn Du meinst. Die schwedischen Jungs haben einige der markantesten Songs der BM Geschichte abgeliefert. Da freut uns der Vergleich eher. Was die Produktion betrifft, ich denke, jede Band findet irgendwann den ihr zu eigenen Sound. Unserer ist halt durch unsere Instrumentierung mit verzerrtem Bass etwas exotischer. Da musst Du schauen, dass sich die Soundstrukturen gut differenzieren lassen und bei viel Hall würden sich einige Details eher verlieren.
Das „harsche keifen“ wie Du es nennst, ist eigentlich erst auf dem neuen Album so zu finden. Die früheren Werke waren stimmlich etwas höher, aber damit unverständlicher und weniger extrem. Wir haben einfach irgendwann beschlossen, dass der Gesang etwas tiefer sein sollte, um sich besser in die neuen Songs zu integrieren.


Wie schaffst es euer Sänger eigentlich, diesen charismatischen, gepressten Gesang von sich zu geben? Schüttet er sich Vitriol in die Kehle? Ist es nicht sehr mühsam und schwierig, über einen Song oder ein Album so zu keifen? Ich schaffe das keine zwei Minuten...


Ich schütte mir ganz sicher kein Vitriol in den Hals. Sieh es mal so, ich mach das jetzt seit über zwölf Jahren, da gewöhnt man sich an vieles. Früher habe ich vor und nach Konzerten mit Salbeitee gegurgelt. Heute geht’s auch ohne. Auch über die Länge eines Konzertes oder eben mehrere Tage im Studio…


Nun zu den Gitarrenlicks: sie sind sirrend, flirrend, typisch old-school eingespielt. Neben den norwegischen Vorbildern hört man bisweilen rhythmisch orientierte Hooks heraus, ohne dass ich jetzt Black And Roll dazu sagen würde. Liege ich da völlig falsch? U.a. der Beginn von "The Beauty..." bringt mich darauf, dieses sägende Riff, das sehr geil ist, übrigens.


Falsch ist es sicher nicht, wir haben natürlich nordische Einflüsse, schließlich sind wir mit der 90er Welle skandinavischen Black Metals entstanden. Jedoch sind wir nicht ganz frei von thrashigen Riffs, die unseren deutschen Thrash Bands zu schulden sind, welche auch ganz klar ihren Einfluss haben.


Dann gibt es immer wieder diese ungewöhnlich düstere Black Metal-Passagen. Für mich ist das immer, als käme da gleich ein Hornissenschwarm vorbei, der mal kurz innehält, aber sich dennoch immer neu Opfer sucht. Und euer Drummer muss nach der Aufnahmesession unters Sauerstoffzelt gekommen sein oder? Der hämmert ja alles weg.


Basti hat im Laufe der Zeit ein paar Techniken erlernt, effizient und effektiv zu spielen. Das heißt, wie alle High Speed Drummer spielt er eben recht Kraft sparend. Das Drumset ist so aufgebaut, dass nur kurze Wege zu überwinden sind und vom Anschlag bemüht er sich eben auch, so wenig wie möglich, außer Atem zu kommen.


Eure neuen Songs sind derart komponiert, dass einige Durchläufe nötig sind, die Feinheiten zu erkennen. Beim ersten Anhören dachte ich, ein Orkan erfasst mich, dann waren es Hornissen, inzwischen höre ich differenzierter. Ihr mischt Groove mit Speedattacken, die man sich erstmal erschließen muss. Legt ihr wert auf Songs, die wachsen?


Das waren die Songs schon immer, jedoch sind diesmal wirklich viele Details vorhanden, die ein Hören spannend machen. Was nützt es denn, wenn der Hörer nach dem ersten Durchlauf gähnend abwinkt? „Wachsen“ ist ein guter Vergleich, denn wir versuchen wirklich, dem einzelnen Song einen Höhepunkt zu geben, der ihn besonders macht.
Auch in Sachen Produktion und Effektsamples haben wir diesmal sehr viel mehr Wert auf Kleinigkeiten gelegt, die den Spannungsbogen mitgestalten.


Gerade auch die gebotene Abwechslung in u.a. "Homo Diabolus", "Furia" und anderen Tracks steht euch gut zu Gesicht. Die Düster-Passage während des Chorus bei "Furia" ist sehr gelungen, fies, dunkel, archaisch, das Solo kryptisch. Seid ihr eigentlich auch dem Thrash oder traditionellem Metal verhaftet?


Hatte ich ja schon erwähnt, wir alle sind irgendwie mit Heavy Metal, Thrash und auch ein wenig Death aufgewachsen. Der eine mehr der andere weniger. So haben wir alle kein Problem damit, die verschiedensten Einflüsse zuzulassen und umzusetzen.


Instrumental seid ihr gut. Ihr könntet bei eurer musikalischen Ausrichtung auch epische Akustikpassagen oder narrative Vocals einbauen. Werden wir so etwas in Zukunft vermehrt zu hören bekommen?


Wenn Du die die alten Alben anhörst, wirst Du feststellen, dass wir das alles schon gemacht haben. Dieses Album jedoch ist wesentlich direkter und hätte extrem an Härte verloren, wenn wir mehr der von Dir genannten Elemente verwendet hätten.


Außer NEGATOR fällt mir eigentlich keine deutsche BM-Band ein, die so gekonnt immer auf die zwölf geht wie ihr. Am schwarzen Thron rüttelt ihr schon. Aber ihr seid doch nicht zu gemein zur Konkurrenz, oder?


Wer sitzt noch mal auf dem Thron? Ich denke, es ist eher ein Ratssaal, in dem verschiedene Bands sitzen. Allerdings gebe ich Dir Recht, es gibt kaum Bands, die derart schnell spielen. Zumindest nicht im deutschen Black Metal.


Ihr spielt größtenteils Speedtempo. Passt das zu eurer Musik und den Texten am besten?


Es scheint so. Letztlich haben sich die Songs irgendwie organisch entwickelt. Wir haben die Musik geschrieben und die Songs wurden immer schneller angelegt. Auch während der Entstehungszeit verändert sich das Tempo noch bis man dann das Gefühl hat, ein „flüssiges“ Hörerlebnis zu haben. Die Kombination aus Geschwindigkeit und Melodik ist offenbar unsere Nische. Auf der anderen Seite würde es sicher sehr schnell eintönig werden, wenn alle Songs nur dahin gehämmert wären. Da sind einzelne ruhige Passagen oder halt ganze Songs, die etwas langsamer sind, eine willkommen Abwechslung.


Worum genau geht es in euren Texten? Warum verwendet ihr die deutsche Sprache?


Das ist ganz unterschiedlich. Wir haben mythologische, satanische oder halt literarisch inspirierte Lyrics. Wenn Milton oder Dante wüssten, was wir aus ihren Werken gemacht haben…
Warum die deutsche Sprache? Nun, es stimmt, bis jetzt hatten wir auf jedem Output mindestens einen deutschsprachigen Song. „Encyclopaedia“ basierte sogar auf einem komplett deutschen Textkonzept. Ich denke, für manche Inhalte lässt sich das phonetisch relativ weich klingende Englisch nicht verwenden. Da braucht es ein eher hartes Klangmuster, wie das Deutsche nun mal auf Grund von Flexion und Rhythmik aufweist.


Wie entstehen eigentlich eure Songs? Wovon lasst ihr euch leiten, inspirieren?


Sie entstehen zu 80% bei uns im Proberaum. Entweder ein Saitenquäler kommt mit einer Idee oder sie setzen sich gemeinsam hin und tüfteln ihre Strukturen aus. Irgendwann kommt dann der Text dazu und alles wird aufeinander abgestimmt. Eine Mischung aus Intuition also Bauchmusik und Musiktheorie…


Interessiert sich eine heidnische Horde wie ihr sie seid auch für modernere Musikstile?


Wir sind keine heidnische Horde, weder im historischen Sinne noch aus heutiger neopaganistischer Sicht. Wir haben auch absolut nichts für die heutigen Auswüchse im Pagan Metal übrig.
Was meinst du mit modernen Musikstilen? Wenn damit die derzeitige Radiolandschaft gemeint ist, eher nein, sie dudelt vielleicht mal im Hintergrund aber das ist kein interessiertes Auseinandersetzen. Vielleicht eher bestimmte klassisch geprägte Komponisten wie Prokofjew, Rachmaninow oder Mussorgsky. Opern von Verdi und Puccini. Aber das ist eher meine Präferenz, da will ich mich nicht allzu weit aus dem bandbezogenen Fenster lehnen.


Die Produktion von "Agash Daeva" trägt wesentlich zum angenehmen Hörerlebnis bei. Untergrund transparent eingespielt, dadurch eine treffliche Atmosphäre erzeugend, so würde ichs mal beschreiben. Seid ihr zufrieden mit der Produktion?


Ja, die Produktion ist sehr gut und der Produzent A. Schmidt vom KicktheFlame Studio hier in Leipzig hat einen wirklich tollen Job geleistet und sich auf angenehme Art eingebracht. Es war notwendig unseren Albumsound umzustrukturieren. Heißt, wir haben keinen „links vs rechts- Sound“ in Sinne der Gitarren sondern sie sind gut miteinander verwoben, um die oftmals gegenläufigen Melodiebögen auszudifferenzieren.


Habt ihr eigentlich schon Pläne für die Zukunft?


Um uns halt nicht auf „Agash“ auszuruhen, haben wir schon wieder angefangen neue Sachen zu schreiben. Mal sehen, wie es mit Black Blood Records und Einheit Prod. weitergeht. Die Jungs tun wirklich alles in ihren Möglichkeiten befindliche. Wir spielen größere Konzerte, vielleicht mal eine Tour. Mal abwarten, was kommt.


Das Cover von "Agash Daeva" finde ich sehr düster. Was steckt dahinter?


Es passt zum Inhalt. Was man sieht ist unsere bildliche Umsetzung von Agash. Uns hatte von Anfang an die Dualität des Motivs fasziniert. Einerseits hast Du eine recht zarte Frau in verängstigter Pose, verstümmelt, morbide und halt dem Verfall sehr nahe. Auf der anderen Seite kannst Du die gleiche Pose äußerst aggressiv interpretieren, als Wurzel des Verderbens - quasi als personifizierter Fluch. Tja, und das Motiv von Krankheit und Verderben setzt sich auch auf den Bandphotos fort.


Habt ihr es als deutsche Black Metal-Band eigentlich schwerer als es eine schwedische oder norwegische Combo hätte?


Inzwischen nicht mehr. Es gab sicher eine Zeit, in der auch zweitklassige Bands einen Vertrag bekamen, nur weil sie aus Skandinavien stammten. Heute muss jeder Qualität abliefern, um bestehen zu können. Allerdings haben es bereits etablierte Bands immer etwas einfacher, da sie ja schon einen Namen haben.


Mit welchen deutschen Bands seid ihr besonders befreundet? Kann man überhaupt von einer echten Szene sprechen?


Hier in Leipzig gibt’s ein paar Bands mit denen wir recht gut können Wir hatten mal gute Kontakte zu AEBA, Dunkelgrafen und ein paar anderen. Inzwischen hat sich das ganze wieder etwas verloren. Man sieht sich, grüßt sich halt und redet eine Weile. Anderseits muss ich auch gestehen, dass ich irgendwann den Überblick verloren habe, wird denn nun überhaupt noch aktiv ist. Abgesehen davon, dass bei der Flut an Bands ein Überblick eh nur schwer zu halten ist.


Könnt ihr uns noch was zu Touraktivitäten sagen? Gibts Konzerte, und wenn ja, doch hoffentlich auch hier in der Nähe?


Konzerte gibt es logischerweise. So spielen wir dieses Jahr ein paar Festivals, z.B. auf dem Zabbaduschder Open Air, Satan’s Convention oder jetzt In Flammen Open Air. Sicher werden noch ein paar kleinere Shows dazukommen. Ende des Jahres ist wohl noch eine Tour avisiert, aber da gibt’s noch nicht viel Konkretes. Es ist auch schwer alle Bandmitglieder unter einen Hut zu kriegen, da alle immer noch irgendwie Geld verdienen müssen.


Wollt ihr noch was loswerden? Welche anderen Musikstile können euch sonst noch gefallen?


Vielen Dank für das Interesse und vielleicht läuft man sich ja mal über den Weg, grüßt sich und redet eine Weile über die gute alte Zeit…
Ausführliche Antworten sind natürlich gern gesehen...


Danke fürs Fragenbeantworten!


Greetz von Stendahl



Erhältlich
seit 28.05.2010


Odroerir
„Götterlieder II“ CD


Alkonost
„On The Wings Of The Call“ CD


Finsterforst
„Urwerk“ Digi-2-CD


Horn
„Distanz“ CD

frühere
Veröffentlichungen

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