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Live Reports

10.04.2010 - Gera, Sächsischer Bahnhof


Thundra, Wolfchant, Darkness Ablaze


Ein reichliches Vierteljahr zuvor hatte das Package Nomans Land, Obscurity und Heathen Foray in der gleichen Lokalität gastiert, und an diesem kühlen und regnerischen Aprilabend erlebt der Besucher beider Konzert ein Deja-Vu nach dem anderen, so sehr entsprechen sich diverse Elemente. Das geht gleich beim Opener los, der labeltechnisch bei Black Bards beheimatet ist - damals die Ösis Heathen Foray, diesmal die Ländlebewohner Darkness Ablaze. Und beide überraschen positiv, nachdem man ihnen gutklassige, aber nicht weltbewegende Studioresultate bescheinigen konnte. Darkness Ablaze haben justament einen Tag zuvor ihr zweites Album auf den Markt gebracht, das der Rezensent bisher allerdings noch nicht gehört hat - trotzdem enthält ein Song wie "Zero" ein paar derart typische Rhythmuswechsel in seinem abwechslungsreichen Hauptteil, daß man oftmals die korrekte Wendung erahnen kann. Nicht immer freilich läßt sich das Material des Sechsers so problemlos erschließen, wofür wieder "Zero" als Exempel herhalten muß - ob dessen oftmals etwas schräger, mitunter gar atonal anmutender ausgedehnter Schlußteil so geplant war, wird sich nun wirklich erst nach Hören der Studiovariante entschlüsseln lassen. Generell trifft Tobias' Einschätzung aus dem Review zum selbstbetitelten Debütalbum auch auf die Livesituation zu: Die Band siedelt ihren melodisch-sinfonischen Death Metal mit Black-Einschlag in der positiv gestimmten Hälfte an und bereitet dem Hörer gute Laune, ohne allerdings live zu sehr an Finntroll zu erinnern - das Keyboard ist im Gesamtsound relativ weit hinten angesiedelt, bisweilen fehlt es akustisch auch ganz, was auch auf die Gitarrenarbeit bisweilen zutrifft; eine Besetzung mit zwei Gitarren und Keyboards ist in diesem Genre allerdings sehr schwer abzumischen, und der Soundmensch verdient sich allein schon durch die Tatsache, daß das nicht selten äußerst flott arbeitende Schlagzeug nicht alles niederknüppelt und auch der Baß akustisch nur dort steht, wo er hingehört, ein Lob. Der Sänger, anfangs noch leicht angestrengt wirkend, wird in menschlicher Hinsicht mit der Zeit auch immer lockerer, wechselt vom Gekreisch gekonnt ins Gebrüll und auch mal ganz kurz in den Klargesang und beweist eigenartigen Humor, indem er Song 5 als "Lied zum Tanzen" ankündigt. Die paar Fills im Hauptteil des Songs kann der potentielle Tanzinteressent ja noch verkraften, aber was hätte man zu dem abstrusen 6/4-Takt im Mittelteil tanzen sollen? Der unterhaltsame Closer "Black Rainbow" vom Debütalbum schließt mit seinen ausgedehnten Breaks, sauber eingepaßten Fills und einer teils ans Abstruse grenzenden Beckenarbeit eine äußerst unterhaltsame Dreiviertelstunde ab.

Wolfchant können danach wie damals Obscurity das Niveau nicht halten. Das liegt zum einen am intransparenter werdenden Sound (die abzumischende Besetzung ist mit der des Openers nahezu identisch, nur das Backingmikro des Bassisten kommt dazu); den Keyboarder beispielsweise hört man im vierten Song erstmals arbeiten, dann verschwindet er aber für längere Zeit von der Bühne und kommt erst nach "Kein Engel hört dich flehn" wieder. Die äußerst spielfreudige Leadgitarre ist die ganze Zeit über deutlich wahrnehmbar und übt einen nicht geringen Teil des Gesamtreizes der Band aus, aber die Rhythmusgitarre und damit auch die Harmonieabteilung fällt bis zum Setende überwiegend aus. Hochklassiges Songmaterial hätte geholfen, solche kleinen Problemfälle zu kompensieren, aber mehr als soliden Pagan Metal haben Wolfchant leider nicht in der Hinterhand. Gute Teile des Sets stammen vom aktuellen Album "Determined Damnation", aber auch älteres Material wie das im Midtempo treibende "Voran" fügt sich ohne Stilbruch ein, reißt indes auch keine Bäume aus. Daß die Band gerade angesichts der aktuellen Situation nicht auf "Kein Engel hört dich flehn" (das noch vor der jetztzeitigen Debatte um die Mißbrauchsfälle in katholischen Erziehungsanstalten entstand, von dieser Situation aus aber in wenig differenzierte pauschale Systemkritik verfällt) verzichten und damit das Kind mit dem Bade ausschütten würde, konnte man sich vorher bereits zusammenreimen; "Never To Drunk" wiederum behandelt den Running Gag, daß in jeder Ansage in bayrisch eingefärbtem Deutsch das Wort "Prost" fällt. Für die stärksten Eindrücke des über einstündigen (und damit wie schon bei Obscurity deutlich zu langen, da nach hinten heraus doch recht langatmigen) Sets sorgen der bereits erwähnte Leadgitarrist, der auch mal schmissige Melodien einstreut, und der Bassist, der dem meist schreienden Leadgesang einen finster grollenden Zweitpart danebenstellt und so geschminkt ist, daß er bei jedem Gesangseinsatz, wenn er die Augen weit aufreißt, einen äußerst sinistren Anblick hinterläßt. Nicht unbedingt nötig wären gleich zwei Zugaben gewesen, in deren erster der Sänger den Gag von Darkness Ablaze mit der Tanzmusik wiederholt, indem er in einem Break mit wüster Rhythmik zu klassischem Vierviertel-Mitklatschen auffordert.

Thundra machen dann wieder richtig Laune. Der norwegische Sechser erfindet das melodische Extremmetalrad zwar auch nicht neu, spielt aber eine eigentümliche Mixtur, die auch in der Setlist deutlich wird. Älteres Material wie "Suffocation" enthält noch viele tempolastige Parts, ist allerdings auch schon äußerst vielschichtig strukturiert. Daneben setzt die Band allerdings atmosphärischen Midtempo-Metal, wie man ihn aus Norwegen weniger gewöhnt ist, sondern eher aus Schweden - Tiamat zu "Clouds"-Zeiten lassen hier freundlich grüßen. Solche Songs bilden quasi einen Rahmen um den mit einer Dreiviertelstunde viel zu kurzen Set, während der Mittelteil tendenziell mehr Tempo transportiert; allerdings gehören auch Thundra keineswegs zu den Bands, die ein einmal gewähltes Tempo einen ganzen Song lang beibehalten, wenngleich man sie auch nicht in die Progschublade zu stecken braucht. Der Sound ist wieder deutlich besser als bei Wolfchant, nur die Leadgitarre fällt über weite Strecken hinten herunter, was zumindest dem mit dem Material nicht vertrauten Hörer (und das wird der Großteil des mächtigen Häufleins an diesem Abend gewesen sein) keine Seelenpein bereitet, da schon die Melodievielfalt der Rhythmusgitarre überraschend hohe Werte annimmt. Das ausladende "The Gates", wieder mit so einer zurückhaltend-genialen Passage ausstaffiert, schließt einen unterhaltsamen Gig auf hohem Niveau ab, und die unmittelbar danach eingeschaltete Pausenmusik verhindert das Aufkommen etwaiger Zugabeforderungen wirkungsvoll.


von rls



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